16. September 2026
Stil über Substanz
In seinem neuesten Werk befasst sich Joe Begos einmal mehr mit seinem Lieblingsthema: experimentelle Drogen. Und einmal inszeniert er es auch so wie man es von ihm kennt: laut, schräg und mit zahlreichen gelungenen visuellen Ideen.
Mit „Bliss“ machte Joe Begos 2019 erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam. Der Film über eine Künstlerin, die sich für ihre „kreative Inspiration“ eine halluzinogene Droge einwirft und daraufhin immer tiefer in den Wahnsinn abgleitet, war sicher kein Meilenstein der Filmgeschichte. Unterhaltsam genug, um sich unter Fans des eher ungewöhnlichen Horrors einen gewissen Ruf zu erarbeiten, war er aber allemal.
Danach folgte mit „VFW“ ein wilder Action- und Splatterfilm, in dem es um eine neue, extrem starke und süchtig machende Droge geht. Und auch wenn „Christmas Bloody Christmas“, Begos’ letztes Projekt, mit einem mordenden Roboter-Weihnachtsmann auf den ersten Blick wenig mit diesem Thema zu tun hatte, lässt sich in seiner Filmografie durchaus ein roter Faden erkennen: Drogen, Rausch und die Auflösung der Realität spielen immer wieder eine Rolle.
So auch in JIMMY AND STIGGS. Im Mittelpunkt steht der Filmemacher Jimmy Lang, gespielt von Begos selbst, der sich mit Alkohol betäubt und davon überzeugt ist, von Aliens entführt worden zu sein. Die entscheidende Frage lautet allerdings nicht warum, sondern: Was passiert, wenn sie zurückkommen? Um die drohende Invasion zu verhindern, ruft Jimmy seinen alten, inzwischen allerdings entfremdeten Kumpel Stiggs Randolph (Matt Mercer) an. Gemeinsam machen sich die beiden daran, sich auf den Angriff vorzubereiten.
Viele Vorschusslorbeeren
JIMMY AND STIGGS startet hierzulande mit durchaus beachtlichen Vorschusslorbeeren. Der Film ist das erste Projekt von Eli Roths neuer Produktionsfirma „The Horror Section“ und soll offenbar erfolgreich genug gewesen sein, um sogar ein Spin-off in Argentinien auf den Weg zu bringen. Die Erwartungen sind also nicht völlig aus der Luft gegriffen. Doch verdient der Film all das Lob?
Jein.
Denn wirklich rundum gelungen ist JIMMY AND STIGGS leider nicht. Das größte Problem: Es passiert schlicht zu wenig. Der Film ist über weite Strecken ein Kammerspiel, doch statt seine wenigen Figuren wirklich interessant zu machen, bleibt vieles an der Oberfläche. Jimmy und Stiggs sind weniger ausgearbeitete Charaktere als Projektionsflächen für Begos’ Vorliebe für derbe Momente und abgefahrene Bilder.
Und genau darin liegt gleichzeitig die größte Stärke des Films. Denn Begos kann Atmosphäre. Er kann Bilder. Er kann einen Film aussehen lassen, als hätte jemand eine Handvoll schlechter Ideen, ordentlich Alkohol und eine Kamera in einen Raum geworfen und anschließend beschlossen, einfach draufzuhalten. Das ist stellenweise durchaus unterhaltsam. JIMMY AND STIGGS ist laut, schräg, dreckig und hat einige wirklich gelungene visuelle Einfälle. Vor allem Fans von abgefahrenem Genrekino dürften hier durchaus auf ihre Kosten kommen. Wer allerdings mehr erwartet als einen stilistisch auffälligen Rausch, dürfte schnell ernüchtert sein.
Begos setzt auch diesmal Stil über Substanz. Das hat schon bei Bliss funktioniert. Bei JIMMY AND STIGGS reicht es allerdings nur noch für einen ziemlich unterhaltsamen, bierseligen Abend. Mehr allerdings auch nicht.
Land/Jahr USA / 2024
Label: Lighthouse Film
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. ca. 80 Min.
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