31. Oktober 2026
Der Traum von Hollywood
Ursprünglich für September 2025 angekündigt, wurden die Memoiren von Sylvester Stallone um ein Jahr verschoben. Doch nun liegt THE STEPS – DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS pünktlich zum 50-jährigen Leinwand-Jubiläum von „Rocky“ vor – und bleibt Stückwerk.

Nach einer Zangengeburt war seine linke Gesichtshälfte gelähmt, der Mund schief, seine Aussprache nuschelig. Im Unterricht konnte sich das hyperaktive, überempfindliche und ungeliebte Kind eines Friseurs und einer Möchtegern-Tänzerin nur schwer konzentrieren, flog von 13 Schulen. Später brach Sylvester Stallone kurz vorm Abschluss sein Schauspielstudium an der University of Miami ab und ging auf Europatrip. Hier stand er in einer Theaterinszenierung auf dem American College in der Schweiz als Biff in „Tod eines Handlungsreisenden“ auf der Bühne. Dann kehrte er mit 23 Jahren in seine Heimatstadt New York zurück und hatte noch 80 Dollar in der Tasche...
Von einigen Episoden aus der Kindheit ergänzt, setzt THE STEPS – DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS etwa hier ein und erzählt von einer nahezu unmöglichen Hollywood-Karriere. Von einem Frühstück aus rohen Eiern und Hüttenkäse in einem schäbigen Zimmer in einem gefährlichen Stadtteil New Yorks, von blauäugigen Vorsprechen ohne ausgedruckte Vita, von Aushilfsjobs im Zoo oder als Platzanweiser im Kino beim Streben nach der Verwirklichung eines großen Traums. Und dann, nach einem Umzug nach Los Angeles geschah es: Nicht bei einem Casting, sondern mit einem Entwurf seines Drehbuchs zu „Rocky“ blieb er bei den Verhandlungen hart, bestand auch bei tollkühnen Angeboten der Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff hartnäckig darauf, als weitgehend Unbekannter die Hauptrolle zu spielen – und gewann.
Einige Redundanzen rund um mangelnde Wertschätzung und ähnliche Kindheitserinnerungen oder auch private Schwarz-Weiß-Fotos aus seinen jungen Jahren durchziehen diese sehr persönliche Autobiografie, die mit dem Oscar-Triumph von „Rocky“ endet. Anekdoten reichern sie an, etwa um einen Streit mit einem jungen Richard Gere, der Sly mit seinem Hühnchen vollkleckerte. Oder wie er eine Geleetorte vom oscargekrönten Filmemacher Francis Ford Coppola vor Wut zerschlug, weil er ihn stundenlang hat warten lassen. Nur: Was ist eigentlich aus Sasha geworden, Slys erste Ehefrau, die hochschwanger sein „Rocky“-Drehbuch abtippte? Sie ist plötzlich aus dem Buch verschwunden. Vieles – wie der plötzliche Umzug nach L.A. – bleibt Stückwerk, Ausschnitt, vielleicht auch zu sehr einer Heldenerzählung untergeordnet. Aber: Gerade das macht dieses trotz aller Fehler lesenswerte Buch auch authentisch.
THE STEPS – DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS erschien zeitgleich mit der US-Ausgabe – was der deutschen Übersetzung leider auch anzumerken ist. Was ein „Gelegenheitsfan“ (S. 45) sein soll oder wie Flammen „ständig an meinen Schnürsenkeln leckten“ (S. 250), bleibt etwa rätselhaft. Zugegeben: Darüber hinaus kann sie nichts für Slys schiefe Vergleiche.
Keine große, aber auch für Filminteressierte interessante Literatur. Oder wer wusste schon, dass „Rocky“ erst ein anderes, wesentlich unpassenderes Ende hatte, bevor das ebenso berühmte wie ikonische („Adriaaaaaaaan!!!“) nachgedreht wurde?
LUTZ GRANERT
Titel: THE STEPS – DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS
Autor: Sylvester Stallone
Verlag: C. Bertelsmann
Erscheinungsform & Seitenzahl: Hardcover, 352 Seiten
Erscheinungstermin: veröffentlicht
