Killerjagd aus neuen Perspektiven
Eine von der Außenwelt abgeschnittene Entzugsklinik für Polizisten, ein Killer mit falscher Identität: In diesen Fassungen haben wir D-TOX – IM AUGE DER ANGST noch nie gesehen, jetzt als Vanilla-Release auf Blu-ray.
Um die Jahrtausendwende rutschte Sly ins Karrieretief: Hatte er eben noch in „Copland“ (1997) mit „Schwimmring“ bewiesen, dass er tatsächlich schauspielern kann, floppten die recht komfortabel budgetierten, aber mittelprächtigen Folgeproduktionen ordentlich. Eine davon war der Killer-Thriller D-TOX – IM AUGE DER ANGST, in dessen bewegter Produktionsgeschichte nach gescheiterten Testvorführungen mehrere Schnittfassungen angefertigt und – für die Erstellung der letztlichen Kinofassung – Nachdrehs angesetzt wurden. Nach einer Auswertung im Mediabook liegen drei von ihnen nun in einer preisgünstigeren Veröffentlichung im Scanavo-Case auf Blu-ray vor.
Abseits der Kinofassung weisen die Detox-Fassung (ein Producer’s Cut; mit 94 Min. etwas kürzer als die Kinofassung) und die Full Lenght Version (entspricht dem Director’s Cut; Laufzeit: 121 Min.), die beide in schwammiger VHS-Qualität nur in Originaltonspur auf der Scheibe zu finden sind, eine ungleich verschachtelte Erzählstruktur auf. Die Eröffnungssequenz zeigt eine Polizisten, der nach einem Saufgelage mit Kollegen nach Hause kommt – und vom Killer getötet wird. Danach wird Jake Malloy (Sylvester Stallone) auch schon von seinem Buddy Hendricks (Charles S. Dutton) in die winterliche Bunker-Klinik gefahren – und erst über spätere Rückblenden erfahren wir Stück für Stück, warum er eigentlich hier ist – inklusive dem Mord an Malloys Frau. In diesen beiden Versionen schaut sich Malloy kurz nach seiner Ankunft auch die später noch bedeutsame Scheune an – was er in der Kinofassung nicht tut. Im Director’s Cut finden sich zudem u.a. mehr Dialoge zwischen Malloy und Jenny (Polly Walker).
Als weiteres Bonusmaterial befinden sich gleich zwei Interviews mit Regisseur Jim Gillepsie („Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) auf der Scheibe, der einmal nur gegenüber Retrogold 63-Geschäftsführer Alexander Franz und einmal gegenüber den beiden Retrogold 63-Machern sowie dem Podcaster „Viking Samurai“ insgesamt über 3 Stunden (!) ausführlich Rede und Antwort steht. All das rettet den trotz eines hochkarätigen Casts (u.a. Tom Berenger als tumber Hausmeister in Fellweste und Robert Patrick als betont viriler Hardliner-Polizist) und eines im doppelten Sinne coolen Schauplatzes gescheiterten Film jedoch nicht, der gerade mangels Tempo und Spannung wegen schlecht ausgearbeiteter Backstories der Charaktere und reichlich konstruierter Auflösung zur Killer-Identität nur Hardcore-Stallone-Fans zu empfehlen ist.
LUTZ GRANERT
Titel: D-TOX – IM AUGE DER ANGST
Label: Shamrock Media (Cargo Records)
Land/Jahr: D/USA 2002
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 95 Min. (Kinofassung) / ca. 94. Min. (Detox-Version) / ca. 121 Min. (Full Lenght Version)
Verkaufsstart: veröffentlicht
d-tox, stallone, retrogold63, thriller
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