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Von Maisfeld‑Gigs bis Anime‑Hymnen

Ihre Reise begann in einem ungemütlichen Proberaum voller Drumsets. Heute stehen Kontrollverlust auf Festivalbühnen, covern Disney- und Animesongs und geben alles für die beste Community der Welt. Wie es dazu kam, verrät uns die Band im Interview.

Wie habt ihr euch ursprünglich gefunden – war es Zufall, Schicksal oder ein klassisches „Wir brauchen eine Band“-Moment?

Ein bisschen von allem. Tobias (Bass) und Pablo (Gitarre) kennen sich schon seit der Schuldzeit und haben ihre ersten Gehversuche in der Musik gemeinsam gemacht. Tobias hat denn irgendwann Denis (Schlagzeug) im Musikstudium kennengelernt während ich, Marvin (Gesang/Gitarre) 2013 über Social Media Bandkollegen für ein Projekt gesucht habe.

Das hat wiederum Denis gesehen und wir haben uns verabredet, zusammen geprobt, uns verliebt und 13 Jahre später hat sich nicht viel daran geändert

Wie sah euer erster Proberaum aus? Mehr Chaos oder mehr Kreativlabor?

Super zweckmäßig. Ein großer, eckiger Raum, in dem mehrere Drumsets standen. Da haben vor allem so Session- und Karnevalsmusiker geprobt. Es gab nichts Dekoratives, keine Sitzgelegenheiten und eigentlich war es super ungemütlich. Aber ebenerdig mit Parkplatz davor!

Welche Bands, Genres oder Soundtracks haben euch am stärksten geprägt, bevor Kontrollverlust entstand?

Das Grundkonzept war sehr stark an „Me, first and the Gimme Gimmes“ angelehnt. Also Punk Versionen von Pop-Hits. Wir sind aber alle sehr stark geprägt durch Pop-, Punk und Rockmusik der 90er und 2000er. Also Blink 182, Sum 41, Green Day aber auch durch Funk, J-Rock oder Prog-Metal. 

Mehr Pop aus den 90ern? Die Stimme der 1990er-Jahre

Wie kam es zu eurem Bandnamen – und wer hatte die Idee zuerst?

Es gab tatsächlich mal einen Artikel in einer großen Zeitung, in dem wir gesagt haben, dass wir von Aliens entführt wurden und um das zu verarbeiten, eine Band gründen mussten. Vermutlich hatte die Person mit dieser Idee auch als Erstes den Namen „Kontrollverlust“ in den Ring geworfen. Fakt ist aber, dass der Name eine Art Gebrauchsanweisung für unsere Konzerte ist: Einfach mal loslassen und ’ne gute Zeit haben. 

Was war euer allererster Gig als Kontrollverlust, und wie habt ihr euch dabei gefühlt?

Glaub das war in einem Maisfeld, es gab ein Unwetter inkl. Stromausfall, mir wurde währenddessen ein Maiskolben ins Gesicht geworden. Danach war ich so durch, dass ich keinen Ton mehr geradeaus spielen konnte.

Was fasziniert euch an Disney-Songs so sehr, dass ihr sie in euren eigenen Stil übersetzt?

Davon abgesehen, dass das musikalische Meisterwerke sind? Wir haben da einfach Bock drauf. Gerade haben wir viel Anime gemacht, ein bisschen was aus Video spielen und anderen Serien aber da wir damals mit der „Gummibärenbande“ gestartet sind, war das nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder dahin zurückgehen. Sind halt einfach geile Songs, die uns auch irgendwie berühren.

Welche Rolle spielen Anime in eurem Leben – und warum passen sie so gut zu eurem Sound?

Wir sind alle damit aufgewachsen. Die einen, mehr, die anderen weniger. Unser Schlagzeuger Denis hatte zum Beispiel bisweilen damit die wenigsten Berührungspunkte, aber der findet die Mucke einfach unfassbar gut. Tobi und Pablo sind mit „Pokémon“ und „Dragon Ball“ groß geworden und haben vereinzelt andere Sachen geschaut.

Bei mir ist das komplett anders. Ich hab, glaube ich mehr Mangas gelesen als Conan Fälle gelöst hat und meine MyAnimeList könnte als ziemlich weirdes psychologisches Profil durchgehen.

Welche Cover-Songs bringen das Publikum bei euren Live-Shows am meisten zum Ausrasten?

Uff … Welche nicht? Wenn es nicht gerade „Wall-of-Death“ oder „Circle Pit Action“ gibt, singen die Leute mit. Das ist der große Vorteil in unserer Community. Die kennen einfach JEDEN Text. Aber natürlich ist bei Hymnen wie „Sailor Moon“ oder „Leb deinen Traum“ nochmal ein anderes Level.

Ihr mögt „Leb deinen Traum“? Der Originalkünstler Frank Schindel im Interview.

Wie geht ihr an ein Cover heran? Was bleibt original, was wird komplett „Kontrollverlust“?

Die goldene Regel ist „Nichts ist besser als das Original“ und mit dem Respekt versuchen wir an jeden Song ranzugehen. Die größte Schwierigkeit besteht darin, unserer Version eine Daseinsberechtigung zu geben. Darum legen wir sehr viel auf saubere Produktionen, guter Sound, das alles handgemacht ist und wir die Emotionen des Originals irgendwie wieder auffangen und vermitteln können.

Welcher Disney- oder Anime-Song liegt euch persönlich am meisten am Herzen – und warum?

Wie viel Platz haben wir hier? Das ist auf jeden Fall schwer. Live spielen wir alle „Du wirst unbesiegbar sein“ aus DBZ super gerne oder „Wenn das Feuer in dir brennt“. Aber so die privaten Lieblingssongs variieren komplett. Pablo liebt zum Beispiel „Ein Traum wird wahr“, für mich geht bei „Wir werden siegen“ jedes Mal die Sonne auf. 

Vielen Dank für das Interview.

LILI SCHMIRGAL

Fotos: Hannah Louisa Kluck

Coverband, Kontrollverlust, Interview