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Die Stimme der 90er

Eine Stimme, die bis heute nachhallt: IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY zeichnet ein sensibles, eindringliches Porträt eines Künstlers, dessen kurze Karriere ein ganzes Musikzeitalter prägte – und stellt nebenbei die leise, schmerzhafte Frage nach dem „Was wäre wenn?“

Mit IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY meldet sich Amy Berg eindrucksvoll zurück – und knüpft dabei an die Wucht ihrer früheren Arbeiten an. Bereits mit „Erlöse uns von dem Bösen“ legte sie 2006 einen der prägendsten Dokumentarfilme der 2000er vor, der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche offenlegte und zurecht für den Oscar nominiert wurde (sich da jedoch gegen Davis Guggenheims „Eine unbequeme Wahrheit“ geschlagen geben). Auch „An Open Secret“ über sexuellen Missbrauch von Kindern in der Filmindustrie bewies später ihr Gespür für sensible, gesellschaftlich relevante Themen. Und das beweist sie einmal mehr hier.

Nachdem sie sich bereits 2015 mit der Janis-Joplin-Dokumentation „Janis: Little Girl Blue“ mit einer Musikerin befasste die viel zu früh aus dem Leben schied, wiedmet sich ihre neuestes Werk nun Jeff Buckley – einem Künstler, der mit nur einem Album Musikgeschichte schrieb. „Grace“ genügte, um ihn zu einer der prägendsten Stimmen der 1990er-Jahre zu machen. Seine Mischung aus Rock, Folk und Soul, getragen von einer außergewöhnlichen, fast schwerelosen Stimme, wirkt bis heute nach. Der frühe Tod 1997 – Buckley ertrank mit nur 30 Jahren im Mississippi – verleiht seiner Geschichte eine zusätzliche Tragik, die der Film nie ausbeutet, sondern mit bemerkenswerter Zurückhaltung behandelt.

Berg setzt dabei auf eine klassische, aber wirkungsvolle Mischung: intime Einblicke durch unveröffentlichtes Archivmaterial und Sprachnachrichten sowie Interviews mit Wegbegleiter*innen. Besonders die Gespräche mit seiner Mutter Mary Guibert geben dem Film emotionale Tiefe, ohne ins Sentimentale abzurutschen. Auch Stimmen aus der Musikszene, etwa von Joan Wasser, fügen sich organisch ein und zeichnen das Bild eines Künstlers, der gleichermaßen bewundert wie missverstanden wurde.

IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY hätte hierbei leicht ins kitschige abgleiten können, doch stattdessen begeistert die Filmemacherin durch eine ruhige, respektvolle Annäherung an einen Menschen, der zwischen künstlerischem Anspruch und persönlicher Unsicherheit lebte. Die Musik bekommt dabei genau den Raum, den sie verdient – und wirkt wie ein emotionaler Anker durch den gesamten Film.

Am Ende bleiben ein paar hartnäckige Ohrwürmer – und diese eine Frage, die sich nicht abschütteln lässt: Was wäre gewesen, wenn?

PETER ELWE

Titel: IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY
Label: Magnolia Pictures
Land/Jahr:USA / 2026
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 106 Min.
Kinostart: 09.04.2026

Bild:  © Piece of Magic Entertainment

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