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08. Dezember 2019


Von: LUTZ GRANERT

Ruf der Wildnis

RUF DER WILDNIS

Um die Jahrtausendwende lebten DVD und VHS in einer friedlichen Co-Existenz, von bösartigen Streaming-Anbietern war am Horizont des Heimkinomarkts noch keine Spur. Als wir nun die DVD von RUF DER WILDNIS in unseren Player warfen, fühlten wir uns anno 2019 dann doch etwas zu real ans längst untergegangene Videozeitalter erinnert. Im Menü hat der Zuschauer nur die Auswahl zwischen „Film starten“ und „Kapitel“. Extras? Gibt's nicht! Trailer? Nein! Sprachauswahl oder Untertitel? Iwo! Und dann startet man den sichtbar auf einem VHS-Master basierenden Film in wenig raumfüllendem Dolby Digital 2.0 in deutscher Sprache, dessen mattes, unscharfes Bild in verwaschenen Farben an die eigenen TV-Mitschnitte der 90er Jahre erinnert.

Der fürs kanadische Fernsehen produzierte Abenteuerfilm aus dem Jahre 1997 ist eine der bis dato werkgetreusten Adaptionen von Jack Londons Romanvorlage. Untermalt von einem mit poetischen und philosophischen Ausführungen glänzenden Voice Over-Erzähler, der im Original von Richard Dreyfuss gesprochen wird (und auf der vorliegenden DVD leider nicht angehört werden kann), folgen wir dem Hund Buck um 1900 auf seiner Odyssee. In behüteten Verhältnissen in Kalifornien aufgewachsen, wird der Vierbeiner gestohlen, verschleppt und schließlich in Kanada als Schlittenhund für einen Postkurier eingesetzt. Am Yukon angekommen, macht der schlaue und zunehmend von archaischen Instinkten getriebene Buck schließlich Bekanntschaft mit dem verletzten Schlitzohr John Thornton (Rutger Hauer), der ihn in sein Herz schließt.

Der Hinweis zu Anfang, dass kein Tier verletzt, aber die Vierbeiner umso besser trainiert wurden, tut bei RUF DER WILDNIS Not. Denn die blutigen Hundekämpfe in diesem durch die tierischen Darsteller herzigen und mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen aufwartenden Abenteuerfilm sind harter Tobak. „Blade Runner“-Star Rutger Hauer greift mit seiner lässigen Einzelgänger-Performance erst in der zweiten Filmhälfte wirklich ins Geschehen ein (von einer Mini-Szene nach 24 Filmminuten einmal abgesehen), die Story ist etwas schleppend erzählt und die Filmmusik von Alan Reeves ist eher unpassend synthielastig – aber dafür ist erfrischenderweise alles echt. Denn: Harrison Ford wird in einer neuen RUF DER WILDNIS-Adaption als John Thronton ab 20. Februar 2020 im Kino zusammen mit einem computeranimierten Buck auf Goldsuche gehen. Nach Ansicht des vor Künstlichkeit nur so strotzenden Trailers schätzen wir trotz Laufstreifen und Bandsalat den VHS-Charme umso mehr.

LUTZ GRANERT

Titel: RUF DER WILDNIS

Label: Schröder Media
Land/Jahr: Kanada 1997
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 87 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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