03. November 2026
Aller Anfang ist schwer
Mit der MANGA LOVE STORY bringt Polyband Anime erstmals alle sieben Anime-Episoden rund um das Kult-Manga-Franchise in einer Edition zusammen. Die Geschichte dreht sich um Yura und Makoto, ein frisch verheiratetes Paar, das zwar ineinander verliebt ist, aber eine entscheidende Gemeinsamkeit besitzt: Beide sind völlig unerfahren, wenn es um Sex und Intimität geht.
Yura und Makoto lernen sich über eine Partnervermittlung kennen – bei beiden funkt es schnell, und eine Heirat kommt schneller als gedacht. Wo eigentlich wenigstens ein wenig Erfahrung bestehen sollte, sind die beiden Mitzwanzigjährigen vor allem eines: absolut unberührt. Sie verfügen über keinerlei sexuelle Erfahrungen – sieht man von Zeitschriften und Freundesberichten ab –, und sehen sich nun nicht nur Alltagsproblemen gegenüber.
Das Paar muss gemeinsam lernen, was Sex und Intimität für den jeweils anderen bedeutet – was sie voneinander wollen und wo sie ihre eigenen Grenzen setzen. Das hört nicht im Schlafzimmer auf und fängt selbstverständlich nicht dort an. Aber für beide steht fest – sie wollen die Ehe gemeinsam bewältigen, mit all ihren Höhen und Tiefen.
Humorvoll, nachdenklich
Wenngleich der Anime sich in manchen Stellen weniger ernst nimmt – da wird aus dem Gemächt des Mannes schon einmal eine Banane und aus dem Po der Frau ein praller Pfirsich –, er trägt eine unmissverständliche Botschaft: Zu einer Ehe und einer Partnerschaft gehören stets zwei.
Viele Episoden behandeln Unsicherheiten, Missverständnisse und Fragen rund um Sexualität, wodurch die Reihe trotz ihres Alters brandaktuell ist. Wird in vielen Ländern der Ruf nach Selbstbestimmung rund um den eigenen Körper immer lauter – und das von allen Geschlechtern. Die Unsicherheiten spiegeln sich auf verschiedenem Wege wider, für Yura ist es manchmal ihr Körper, für Makoto die Angst davor, Yura als Ehemann unglücklich zu machen, da er eben unerfahren in Sachen Beziehungen ist.
Gleich, manch eine Unsicherheit mit einer Prise Humor dargestellt wird – der Lächerlichkeit preisgegeben wird, keine Situation. Weder Makoto, der seine eigene Männlichkeit hinterfragt, noch Yura, die ihre Weiblichkeit hinterfragt – der Anime bleibt sehr sanft im Umgang mit diesem Thema und lehrt, dass aller Unsicherheit Ausweg ein Gespräch sein kann – und sei es mit der besten Freundin.
Animation und Schönheit
Animationstechnisch sollte man allerdings keine moderne Hochglanzproduktion erwarten. Vor allem die älteren Step Up Love Story-Folgen stammen aus den frühen 2000er-Jahren und bieten eine eher einfache, etwas altbackene OVA-Optik mit begrenzten Bewegungsabläufen und einem für die Zeit typisch-klassischem Charakterdesign – wenig aufwendig, große, runde Augen und stark überspitzte Körper prägen das Bild. Die späteren Episoden von The One and Only Step Up: Love Story wirken etwas frischer und detailreicher, erreichen aber ebenfalls nicht das Niveau aktueller TV-Anime wie Demon Slayer oder Frieren.
Pluspunkte aber gibt es für die wunderschöne Farb- und Lichtgebung. Beides präsentiert sich auf eine natürliche Weise und drängt sich für den Zuschauer nicht in den Vordergrund. Gerade bei intimen Szenen entstehen so zärtliche – fast fühlbare – sanfte Momente. Die Liebe, die Yura und Makoto verbindet – Studio Chaos und Seven arbeiten hier nicht nur mit den Figuren, sondern bewusst mit den Hintergründen, um einzelnen Szenen eine herzerfüllende Note zu verleihen.
Education in Animeform?
Interessant ist die Frage, ob MANGA LOVE STORY als „Educational Anime“ funktioniert. Tatsächlich vermittelt die Reihe viele Grundlagen über Beziehungen, Kommunikation und Sexualität. Die Informationen sind natürlich vereinfacht und teilweise vom Zeitgeist der Entstehungsjahre geprägt, dennoch bietet die Serie mehr Aufklärungsgehalt als viele andere Romance-Anime. Als ernsthafte Sexualerziehung ersetzt sie keine Fachliteratur, als lockerer Einstieg erfüllt sie ihren Zweck jedoch überraschend gut.
Gegenüber dem Manga fallen die Unterschiede deutlich aus. Das Original umfasst zahlreiche Bände und gilt in Japan als noch nicht abgeschlossen. Aktuell sind 90 Bände im Umlauf, in Deutschland erscheint der Manga beim Carlsen Verlag. Der Manga behandelt wesentlich mehr Themen, Nebenfiguren und Alltagssituationen. Der Anime konzentriert sich dagegen auf ausgewählte Episoden und reduziert viele Inhalte auf ihre romantischen und komödiantischen Kernelemente – eine Empfehlung für alle Fans ist es absolut.
Land/Jahr: Japan 2002/ 2014
Label: Polyband Anime
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 175 Min.
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