08. Oktober 2026
Zwischen Abenteuer, Freundschaft und Gerechtigkeit
Der Anime-Boom startete nicht erst mit „Sailor Moon“ oder „Pokémon“. Schon lange vorher zogen Animes in die deutsche Serienlandschaft ein, wenngleich nur wenige wussten, dass sie aus Japan stammen. Die bekanntesten Beispiele sind „Heidi“ und „Die Biene Maja“, aber auch der ab April 1995 auf RTL II ausgestrahlte Anime ROBIN HOOD - DIE KOMPLETTE SERIE zählt zu diesen Kandidaten – und den kann man nun noch einmal erleben.

Robin von Huntington führt ein unbescholtenes Leben – bis der tyrannische Lord Alwine eines Tages seine Heimat in einen brennenden Alptraum verwandelt. Alles, was er liebte und kannte, wird zu einem Haufen Asche. Doch gemeinsam mit einigen Verwandten gelingt es Robin, in die weiten Wälder des Sherwood Forest zu fliehen. Nachdem die ersten Schrecken überwunden sind, lassen sich die geflohenen Adligen gut versteckt in den Tiefen des Waldes nieder.
Schnell finden sie neue Gefährten: den starken Little John, gegen dessen Schwerter Zahnstocher wirkungslos sind, und den eher ruhigen Bruder Tuck, der mit weisen Reden selbst die schwersten Gemüter wieder mit Leben und Zuversicht füllen kann. Aus den Vertriebenen und Herumtreibern wird eine Gemeinschaft, die sich hilft und vertraut. Gemeinsam beschließen sie, sich gegen Korruption, Unterdrückung und Machtmissbrauch zu stellen, die das Land wie ein Krebsgeschwür zerfressen.
Optik und Stil: Ein typischer Anime seiner Zeit
Der Anime ist ein klassischer Vertreter der frühen 90er-Jahre. Während heute Computer bei so manch einem Animationsprozess den Künstlern zur Seite stehen, war in den 90er-Jahren noch Hand- und Armschmalz gefragt. Der handgezeichnete Charme ist unübersehbar und verleiht den Figuren Wärme oder Kälte, je nachdem, welche Rolle sie in der Geschichte haben. So ist Marian, die sanfte Prinzessin, fast elfengleich von Gestalt und Federführung, während Robin unter seinem Wams scharfkantig und durchtrainiert ist.
Grün und saftig präsentiert sich der Sherwood Forest. Tatsunoko Production, das unter anderem mit dem Studio GAINAX an „Neon Genesis Evangelion“ arbeitete, spendiert der Welt von Robin Hood allerhand Details. Die Burgen wirken, als wären sie direkt von einem Foto in den Anime gezaubert worden, und die einzelnen Dörfer lassen keine unschönen Details aus: Da gibt es bröckelnde Fassaden und ausladende Dächer zu bestaunen.
Durch den Einsatz schweißtreibender Handarbeit wirken manche Farben und Linien zwar inkonsistent, sie schenken dem Anime aber einen lebendigen Charme, der heute durch die klinische Präzision von Computern oft verloren geht.ROBIN HOOD - DIE KOMPLETTE SERIE präsentiert Handwerk statt steriler Technik. Das Auge dankt es: Natürlich wirkende Farben und Figuren, die in ihrer Gesamtheit geschmeidiger ihren Bogen spannen, lassen keine Wünsche offen. Für Fans klassischer Anime ist dies ein klarer Pluspunkt.

Die deutsche Synchronisation
Robin erhält die Stimme des Synchronsprechers David Nathan, den vielleicht nicht viele Deutsche beim Namen kennen, dessen Stimme aber wohl jeder kennt. David Nathan. Er ist die deutsche Stimme von Johnny Depp, beispielsweise ab dem dritten Teil von „Pirates of the Caribbean“ oder „The Corpse Bride“. Für die schöne Prinzessin Marian holt sich RTL II Katja Strobel ins Boot, deren deutsche Stimme Anime-Fans später als Sonoko Suzuki aus „Detektiv Conan“ wiedererkennen.
Eine ebenfalls bekannte deutsche Synchronstimme ist für den Antagonisten Lord Alwine zuständig. Der exzentrische und selbstgefällige Herrscher wird von Bodo Wolf gesprochen. DDR-Kindern ist der Synchronsprecher als Schauspieler bekannt, unter anderem aus dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ von 1979, in dem er die Rolle des Prinzen Andreas spielte. Als Synchronsprecher lieh er dem Schauspieler Robin Williams in „Nachts im Museum“ und John Lithgow, der in der Serie „Dexter“ den titelgebenden Mörder spielt, seine Stimme.
Auch heute wirkt die deutsche Fassung noch immer erstaunlich hochwertig. Sie gehört zu den Synchronisationen der 90er-Jahre, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren haben.
Wie nah bleibt die Serie der Legende?
Der Anime ist keine reine Abhandlung der historischen Robin-Hood-Saga. Zwar finden sich zentrale Elemente wie der berühmte Sherwood Forest und Figuren wie Maid Marian und Little John, doch der Anime lebt durch zahlreiche eigene Ideen.
Anders als im Original tritt der Hauptantagonist mehr in Erscheinung, wodurch er für die Zuschauer greifbarer wird und die Aktionen der Gruppe nachvollziehbarer sind, da es sich nicht um eine reine, diffuse Bedrohung handelt. Auch mystische Elemente, magische Artefakte und teilweise übernatürliche Fähigkeiten finden ihren Weg in die Handlung. Zudem wird Robin als deutlich jüngerer Held dargestellt, wodurch sich die Serie stärker an ein Jugendpublikum richtet. Trotz dieser Freiheiten bleibt der Kern der Legende erhalten. Robin kämpft für Gerechtigkeit, schützt die Schwachen und stellt sich gegen die Mächtigen.
Fazit
ist weit mehr als bloße Nostalgie. Die Reihe bietet spannende Abenteuer, sympathische Figuren und eine charmante Anime-Ästhetik der 90er-Jahre, die auch heute noch hervorragend funktioniert. Dank der gelungenen deutschen Synchronisation und der liebevollen Neuveröffentlichung durch KSM Anime ist die Serie sowohl für langjährige Fans als auch für Neuentdecker interessant.
Land/Jahr: Japan 1990
Label: KSM Anime
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. Min.
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