Zum Hauptinhalt springen

Gut geblufft ist halb gewonnen

Ein weiterer VHS-Only-Titel auf DVD: Im hochkarätig besetzten Western HÖCHSTER EINSATZ IN LAREDO kommt es zum Showdown am Spieltisch.

Bei Western denken wir an Cowboys und Indianer, Duelle mit dem Colt, wilde Verfolgungsjagden und Schießereien in einem weiten, unerschlossenen Land. In einem 1966 veröffentlichten Western hetzt eine Gruppe von Männern nur während des Vorspanns im Schweinsgalopp durch die Prärie – um dann im Hinterzimmer eines Saloons ausufernd zu pokern. Ohne einen einzigen abgefeuerten Schuss ist HÖCHSTER EINSATZ IN LAREDO ein ebenso origineller wie sich vielen Konventionen widersetzender Genre-Beitrag, der jedoch bis zu seiner überraschenden Auflösung reichlich zäh gerät.

1896: Wie jedes Jahr treffen sich die fünf reichsten Männer der Gegend im Wüstenstädtchen Laredo zum Pokern. Unter ihnen befinden sich Henry Drummond (Jason Robards), der dafür die Hochzeit seiner Tochter aufschob, und der smarte, aber schmierige Anwalt Otto Habershaw, der für die Partie wortwörtlich seinen Mandanten hängen ließ. Am nächsten Tag zwingt ein kaputtes Rad an der Kutsche eine kleine Familie auf der Durchreise zum Zwischenstopp in Laredo. Der spielsüchtige Meredith (Henry Fonda) wird auf das andauernde Spiel aufmerksam und steigt mit dem eigentlich für den Kauf einer Farm vorgesehenen Geld ein, während seine nichtsahnende Gattin Mary (Joanne Woodward) gerade beim Schmied Reparaturen durchführen lässt. Als Meredith droht, wegen Überbietung aus dem Spiel zu fliegen (und damit sein ganzes Geld zu verlieren), erleidet er vor Anspannung eine Herzattacke – und die ahnungslose Mary muss irgendwoher mehr Geld auftreiben und zuende spielen. Doch gewährt ihr Bänker C.P. Ballinger (Paul Ford) für ihr vermeintlich unschlagbares Blatt einen Kredit?



Wer nun eine so spaßige Westernkomödie wie „Maverick“ (1994) erwartet, wird enttäuscht: Wirklich witzig ist das geschwätzige und recht ereignisarme Pokerspiel voller grober Männer und ein paar Merkwürdigkeiten (ein Junge, der in einer Kiste übernachten muss) nicht – auch wenn es bis zum Ende eine hohe Grundspannung aufrecht erhält. Dazu gesellt sich eine heute auffällige, ausgeprägte Misogynie unter den allesamt groben Männern. Zur Besetzung zählen mehrere Western-Ikonen: Henry Fonda gibt mit angespannt-nervösem Grimassieren überzeugend den Spielsüchtigen, den es in den Fingern juckt, und Jason Robards verkörpert einen jähzornigen Patriarchen – beide spielten zwei Jahre später erneut in „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) zusammen.

Die Bildqualität der DVD ist fürs Alter des Films klar, allerdings ist sie mit Trailer als einzigem Extra arg puristisch ausgestattet.

LUTZ GRANERT

Titel: HÖCHSTER EINSATZ IN LAREDO
Label: Western Classics (Cargo Records)
Land/Jahr: USA 1966
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 91 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

Henry Fonda, western, heimkino

  • Erstellt am .