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Hai-Alarm im Kinderzimmer

Der No-Budget-Horrortrash DOLL SHARK liegt nun auf DVD vor – und zeigt auf: Künstliche Intelligenz kann menschliche Synchronsprecher*innen (noch lange) nicht ersetzen.

Spätestens seit der sechs Teile umfassenden „Sharknado“-Filmreihe sind Hai-Horrorfilme mit besonders abstrusen Ideen aus dem gepflegten Trash-Amusement nicht mehr wegzudenken. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne sammelte Produzent Ron Bank vom Independent-Label SRS Cinema 7.893 US-Dollar für die Produktion von DOLL SHARK ein. Wahrlich nicht viel Geld – und das sieht man dem trashigen Hai-Horrorstreifen auch in jeder Sekunde an.

Brock Banner (Kevin Coolidge) ist Haijäger und hat seiner jüngsten Beute als Andenken einen Zahn gezogen. Den bohrt er als Glücksbringer in einen Plüschhai aus der Serie „Sea Sharks Swim“, dem er seinen Sohn Kirby (River Dalton) mit der Post schickt. Junior schließt das Kuscheltier sofort ins Herz – und ahnt nicht, dass es von einem Dämon besessen ist und erst den Nachbarn, dann der Babysitterin Lyla (Danielle Donahue) und ihren eingeladenen Partypeople nach dem Leben trachtet...



Das technische Setup ist von vorne bis hinten amateurhaft. Vor allem optisch zeigt sich das technische Unvermögen: Die Bilder der Digitalkamera lassen eine austarierte Farbbalance vermissen, helle Szenen ertrinken regelrecht in Weiß. Auch wenn die Gore-Szenen handgemacht sind, ist von ihnen durch unentwegtes Gewackel kaum etwas zu sehen, wenn der Plüschhai plötzlich Zähne bekommt und herumwütet. Digitale Effekte wie Regen oder das elektrische Brutzeln des Dämonen-Plüschtiers sind mies, während die immer wieder über den Fernseher flimmerende Serie „Sea Sharks Swim“ immerhin ganz solide animiert wurde und den substanzamrnen Streifen mit ein paar Anspielungen auf den großen Klassiker „Der weiße Hai“ (1975) geradeso auf abendfüllende Länge dehnt. 

DOLL SHARK macht durch sein technisches Unvermögen einfach keinen Spaß – und die deutsche Synchronisation, mit der auf dem Cover noch höhnisch geworben wird, wurde als großes Ärgernis deutlich hörbar von KI-Stimmen übernommen. Die ausdruckslos und roboterhaft heruntergeleierte Text-to-speech-1:1-Übersetzung wurde scheinbar vom deutschen Label From The Vault keiner Qualitätskontrolle unterzogen – anders ist nicht zu erklären, wenn etwa „Leila? Are you here – or not?“ übersetzt wird mit „Leila, wo bist du? Oh.“ Solche Aussetzer sind kein Einzelfall. Die dumpfe Klangqualität, die an den Zoom-Mitschnitt einer Twitch-Session mit preisgünstigen Headsets erinnert, macht es nicht besser.  

Immerhin sind ein 14-minütiges Making-Of und ein leicht verrauschter Audiokommentar von Regisseur Mark Polonia (der sich am Ende in einem Loop aufhängt) als Bonus auf der Scheibe zu finden. Kurios: Der DVD liegt ein Flyer mit QR-Code bei, der zu einem 4-seitigen Digital-"Booklet" mit identischer erster und letzter Seite, dazwischen Synopsis, Besetzungsliste und kurzem Essay zum Film führt. Warum nicht einfach den Flyer doppelt so groß drucken und falten? Ach ja, wäre teurer gewesen.  

LUTZ GRANERT

Titel: DOLL SHARK (Cover B)
Label: From The Vault (AVV GmbH)
Land/Jahr: USA 2022
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 76 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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