Buddy Movie im Hongkong-Stil
Mark Dacascos („John Wick 3“) als knallharte Kampfmaschine: DRIVE – KEINER SCHLÄGT HÄRTER liegt im Director’s Cut auf regulärer Blu-ray vor.
Als die Sonderverwaltungszone Hongkong noch unter britischer Herrschaft stand, trug die Filmindustrie gerade bei handwerklich perfekt choreografierten Martial-Arts-Filmen aufregende Blüten – und brachte neben „Hard Boiled“ und „The Killer“ längst vergessene Klassiker wie „Iron Angels“ oder „Tage des Terrors“ hervor. 1997 war es mit dieser gelebten Unabhängigkeit vorbei – Hongkong fiel zurück unter chinesische Herrschaft. Die Flucht von Hauptfigur Toby Wong (Mark Dacascos) vor chinesischer Unterdrückung in DRIVE – KEINER SCHLÄGT HÄRTER ist daher auch als Abgesang auf ein abgeschlossenes Stück Filmgeschichte zu verstehen.
Tatsächlich kann der launige Actionthriller mit dem kleinen Budget von 3,5 Millionen US-Dollar und furiosen Martial Arts-Szenen als einer der ersten „Hongkong-Exporte“ nach Hollywood verstanden werden: Ein Held mit schwarzem Overall, der sich bei einer Polizeikontrolle den Namen Sammo Hung gibt (in Anspielung auf einen der bekanntesten Martial-Arts-Filmemacher Hongkongs), unentwegte Seiltricks, akrobatische Fights und beeindruckende Pyrotechnik, wenn wahlweise ein ganzer Hotelkomplex oder eine futuristisch anmutende Space-Bar („Apollo 14“) gesprengt werden, erinnern an den Wahnwitz des Hongkong-Kinos. Womit dann aber auch schon die Highlights der einstigen Videopremiere aufgezählt sind, die von Turbine Medien im fast zweistündigen Director’s Cut vom einstigen Make-up-Artist Steve Wang (der u. a. an „Gremlins“ und „Alien – Die Wiedergeburt“ mitwirkte; die enthaltene 47-minütige Doku „The Force Behind The Storm“ ist dahingehend aufschlussreich) veröffentlicht wurde.
Denn: Das von beeindruckenden Actionszenen zusammengehaltene Szenario hat darüber hinaus kaum etwas zu bieten. Der Plot ist hanebüchen: Eine mit einem Bio-Motor ausgestattete Kampfmaschine (Dacascos) schifft sich als blinder Passagier nach San Francisco ein und muss auf dem Weg nach Los Angeles (wo er nie ankommt, der Film bricht vorher ab) einer Bande von Verfolgern entkommen. Dabei rekrutiert er einen anstrengenden, Songtexte dichtenden Weichei-Sidekick namens Malik Brody (Kadeem Hardison) und muss sich einer überdrehten und notgeilen Hotelbesitzerin (Brittany Murphy) erwehren. Sowohl die Situationskomik (mit Kettensäge abgetrennter Arm, der regelrecht an einem Gewehr klebt) als auch die Synchronisation der stumpfen Dialoge (Toby gehöre „zu den Typen, die Linsen fressen und Sahnetörtchen kacken“) sind arg grell geraten – wenn nicht Klischees von Chinesen und Amis aufs Korn genommen werden.
DRIVE – KEINER SCHLÄGT HÄRTER ist aber gerade deshalb ein guilty pleasure des 90er-Jahre-Actionkinos – und die Blu-ray von Turbine bietet neben dem Making-of auch Interviews mit den Beteiligten und Deleted Scenes auf. Die Bildqualität ist trotz eines gewissen Rauschens überwiegend klar, Unschärfen fallen hin und wieder bei Halbtotalen auf.
LUTZ GRANERT
Titel: DRIVE – KEINER SCHLÄGT HÄRTER – DIRECTOR’S CUT
Label: Turbine Medien
Land/Jahr: USA 1997
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 117 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht
mark dacascos, 90er jahre, action, klassiker
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