Zum Hauptinhalt springen

20. Dezember 2024


Von: REDAKTION

Wo die Götter wohnen

Der Bildband EUROPAS HEILIGE BERGE stellt 22 sagenumwobene Gipfel quer zerstreut über den Kontinent vor.

Majestätisch ragen sie empor: Berge sind nicht einfach nur aufgeschobene Gesteinsmassen, sondern sie haben eine Bedeutung – als Wasserquellen (aus abschmelzenden Gletschern) ebenso wie für internationale Grenzen. Für einige Menschen sind sie einfach nur entlegene Ausflugsziele, für Andere regelrecht magische Orte der Kontemplation. Der GEO- und National Geographic-Fotograf Bernd Ritschel und die in den Ammergauer Alpen lebende Redakteurin Nina Ruhland entführen in ihrem Bildband EUROPAS HEILIGE BERGE auf insgesamt 22 Gipfel in 13 europäischen Ländern (mit Fokus auf die Alpenregion) und erzählen die Geschichte von und Geschichten zu den steinernen Giganten, die sich vom norwegischen Dovrefjell im Norden bis zum griechischen Olymp im Süden erstrecken.

Zu jedem Berg, dem jeweils ein Umfang von sechs bis zehn Seiten gewidmet ist, gibt’s ein doppelseitiges Aufmacher-Panorama und ein paar Eckdaten wie zum Gestein oder der geografischen Lage. Das Projekt, welches für Bernd Ritschel am 25. Oktober 2021 zu später Stunde auf dem Gipfel des Jenner in den Berchtesgadener Alpen begann, imponiert vor allem mit seinen großformatigen Aufnahmen. Die Berg-Fotografien erhalten in den zärtlich-weichen Lichtstimmungen des frühen Morgens, im kräftigen Abendrot, der blauen Stunde oder im mythischen Nebelmeer vielgestaltigen Reiz. Während Nina Ruhland sich an Legenden abarbeitet und Wissenswertes zu den einzelnen Gipfeln zu berichten weiß, färbt Ritschel seine Zeilen ungleich persönlicher. Er rekapituliert eine nachdenklich stimmende Tour mit seinem Neffen Finn auf den Similaun, der Suche nach einem Foto-Spot ohne Hochspannungsleitungen im Bild am Säuling, dem Verlegenheitsbesuch in einer Whiskey-Destillerie bei Schlechtwetter am Paps of Jura in Schottland oder falschen Ehrgeiz bei der abenteuerlichen Winter-Besteigung des slowakischen Kriváň (Foto): „Wie ein kleines, dickköpfiges Kind spure ich durch den teilweise bis zu einem Meter tiefen Neuschnee.“ 

Die Mischung macht’s – und die ist hier zwischen Fakten und Anekdoten, zwischen berühmten Gipfeln und Geheimtipps gelungen. EUROPAS HEILIGE BERGE ist ein Bildband, bei dem auch immer etwas Wehmut mitschwingt, denn nicht nur einmal gerät der Klimawandel in den Fokus, der diese Riesen brüchig werden lässt.

LUTZ GRANERT

Titel: EUROPAS HEILIGE BERGE – SEHNSUCHTSORTE VOLLER STILLE UND FASZINATION 
Autorin: Nina Ruhland, Fotograf: Bernd Ritschel
Verlag: Knesebeck
Erscheinungsform & Seitenzahl: Hardcover, 208 Seiten
Verkaufsstart: veröffentlicht 

Auch interessant:

Viele Perspektiven auf ein markantes Gebirge

| Lutz Granert | Books & Comics

Wirtschaft, Infrastrukturprojekte, Besiedlungsgeschichte oder der Vorschlag eines zukünftigen Umgangs mit einer grenzüberschreitenden Kulturlandschaft: Ein Sachbuch bietet dazu zahlreiche Anregungen.

Neu auf DVD und digital: Mutiges deutsches Genre-Kino

| Redaktion | Movies

Viele Realitäten - im Schwarz-Weiß-Experiment DIE THEORIE VON ALLEM wird vor imposanter Alpen-Kulisse ein physikalisches Konstrukt Wirklichkeit.

70 Jahre Wandel: EIN GANZES LEBEN erscheint im Heimkino

| Redaktion | Movies

Realistische Alltagsschilderungen durchsetzt mit leisem Humor; knappe Sätze, reich an Bildern: So lässt sich der Schreibstil des aus einer Arbeiterfamilie stammenden Österreichers Robert Seethaler am einfachsten zusammenfassen. Kein Wunder, dass sein Roman „Ein ganzes Leben“ im Titel wie im Inhalt das große Ganze umfasst. Auf gerade einmal 160 Seiten erzählt er von einem unfassbar genügsamen Mann, der bei all seinen Entbehrungen zwischen Kindheit und Tod sein abgelegenes, liebgewonnenes Tal in den österreichischen Alpen nur einmal im Zweiten Weltkrieg verlässt.