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10. September 2026


Von: PETER ELWE

Ein anspruchsvolles Stück Nachkriegsgeschichte

Das Werk von Philippe Claudel und Manu Larcenet ist zweifelsohne kein Wohlfühlcomic, sondern ein anspruchsvolles Stück Nachkriegsgeschichte. Wer nicht davor zurückschreckt, eine aufwühlende und tragische Geschichte zu lesen, die man nicht so schnell vergessen kann, sollte hier in jedem Fall einen Blick riskieren.

Irgendwo im europäischen Hinterland, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Der KZ-Überlebende Brodeck verfasst beruflich kurze Notizen für eine ferne Behörde, in der er den Zustand des Waldes, das Wetter und den Wasserpegel beschreibt. Als er eines Abends in das Wirtshaus seines kleinen Dorfes geht, um Butter zu kaufen, erfährt er, dass die Dorfgemeinschaft gerade „den Anderen“, einen Fremden, der vor einiger Zeit in das Dorf gezogen ist, ermordet hat. Da Brodeck im Schreiben von Berichten – und damit im Umgang mit Worten – vertraut ist, verlangen die Anwesenden von ihm, einen Bericht zu verfassen, der ihre Tat rechtfertigen soll. Er willigt ein. Doch je mehr er nachforscht, desto eher gerät er selbst ins Visier der übrigen Dorfbewohner.

Mit seinem 2009 erschienenen Roman BRODECKS BERICHT festigte der 1962 in Dombasle bei Lothringen geborene Philippe Claudel, der 2004 mit „Die grauen Seelen“ internationale Bekanntheit erlangte, seinen Ruf als einer der wichtigsten Autoren der französischen Gegenwartsliteratur. Nun nimmt sich Comicautor und Zeichner Manu Larcenet der Vorlage an und adoptiert sie als Graphic Novel. Keine leichte Aufgabe, denn Claudels Roman ist eine tragische Parabel mit mehreren Erzählebenen, die alles andere als leicht zugänglich ist. Dazu wirkt der 1969 geborene Larcenet, der dem einen oder anderen Comicleser beispielsweise durch die „Der alltägliche Kampf“-Reihe bekannt sein dürfte, auf den ersten Blick nicht unbedingt als der geeignete Mann für diese Umsetzung, da er sich bislang doch eher durch einen bunten, auf Humor ausgerichteten Stil ausgezeichnet hat.

Doch der Comickünstler straft seine Kritiker Lügen, indem er hier mit einem klaren, melancholisch-realistischen Zeichenstil überrascht, der die dokumentarische Nüchternheit mit Claudels tragischer Hauptfigur, die die Geschichte erzählt, perfekt ergänzt.

Larcenet gelingt es vorzüglich, die Geschichte auf die wesentlichen Aspekte zu kürzen, ohne die Handlung zu verändern oder zu verwässern – so werden nicht nur Neuleser von BRODECKS BERICHT begeistert sein, auch Kenner des Romans werden diese Adoption lieben.

Titel: BRODECKS BERICHT
Verlag: Reprodukt 
Autoren: Philippe Claudel 
Zeichner: Manu Larcenet
Seitenzahl: 328

 

 

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