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Geografie für Fußballfans

Heute findet das Finale der Fußball-WM der Männer statt. Zeit sich ein wenig mit den großen Helden des Spiels zu befassen: den Fußballstadien. Sie sind die Orte an Menschen zusammenkommen und gemeinsam jubeln, leiden und verzweifeln. Und genau diesen magischen Schauplätzen setz Autor John Gillards mit seinem Buch ein Denkmal und zeigt eindringlich, warum sie mehr sind als funktionale Sportstätten.

Ganz Egal, ob man Woche für Woche seiner Mannschaft durch die unteren Ligen folgt, sich bei eisigen Auswärtsspielen die Seele aus dem Leib singt oder bei den großen Turnieren der Nationalmannschaften für sein Land im Fanblock mitfiebert: Stadien besitzen eine ganz eigene Magie – die weit über ihre Funktion als Sportstätten hinausgeht. Sie sind Treffpunkte von Generationen, emotionale Zentren ihrer Städte und oftmals die letzten Orte, an denen Menschen aller Gesellschaftsklassen gemeinsam hoffen, jubeln oder trauern. Viele von ihnen sind architektonische Wahrzeichen geworden und Zeugen gesellschaftlicher Entwicklungen. Manche erzählen von glorreichen Triumphen, andere von gesellschaftlichen Umbrüchen oder von politischem Größenwahn. Das Buch von John Gillard wertet allerdings nicht, es nimmt all diese Facetten auf und verwandelt sie in eine faszinierende Reise rund um den Globus.

Der Titel DER WELTATLAS DER FUSSBALL-STADIEN ist tatsächlich etwas missverständlich, denn klassische Karten sucht man hier vergeblich. Stattdessen entfaltet das Werk seine Stärken mit atemberaubenden Fotografien, einem edlen Layout und hervorragend aufbereiteten Hintergrundinformationen. Gillard führt seine Lesenden – sortiert nach Kontinenten – einmal quer durch die Welt des Weltfußballs und beweist dabei erfreulicherweise ein Gespür für Vielfalt. Natürlich werden legendäre Giganten wie das „Camp Nou“ in Barcelona, das Mailänder „San Siro“ oder die „Allianz Arena“ in München gewürdigt, aber  Gillard arbeitet nicht nur das „Who's Who“ ab, sondern gibt auch den weniger bekannten Stadien eine Bühne. Arenen aus Kuba, Paraguay oder Südkorea erhalten hier dieselbe Aufmerksamkeit wie die ganz großen Tempel des Weltfußballs und eben deswegen ist DER WELTATLAS DER FUSSBALL-STADIEN so lesenswert.

Denn plötzlich entdeckt man Orte, von denen man vielleicht nie zuvor gehört hat, deren Bilder und Geschichten aber sofort Fernweh auslösen. Kleine Tribünen vor beeindruckenden Gesteinsformationen stehen neben hochmodernen Arenen aus Glas und Stahl. Manche Spielstätten wirken wie Relikte aus vergangenen Zeiten, andere wie futuristische Monumente.

Hinzu kommt die enorme Detailverliebtheit. Man spürt auf jeder Seite, wie viel Leidenschaft und Recherchearbeit Gillard in sein Werk gesteckt hat. Seine Erläuterungen schaffen es dabei erstaunlich gut, die Geschichte und Bedeutung der jeweiligen Spielstätten auf den Punkt zu bringen, ohne jemals trocken oder Oberlehrerhaft zu wirken. 

Mit DER WELTATLAS DER FUSSBALL-STADIEN schuf John Gillard ohne Frage eine wunderbare Liebeserklärung an den Fußball und vor allem an jene Orte, an denen Woche für Woche ungezügelte Emotionen explodieren. An Spielstätten, in denen Geschichten geschrieben werden, in denen Helden geboren werden und in denen manchmal ein einziges Tor genügt, um Tausende Menschen gleichzeitig in Ekstase (oder tiefe Verzweiflung) zu stürzen. Jede einzelne Seite lädt dazu ein, länger zu verweilen, neue Details zu entdecken und sich gedanklich direkt auf die Tribünen dieser einzigartigen Orte versetzen zu lassen. Dieses Buch will nicht einfach nur informieren – es will erlebt, entdeckt und immer wieder aufs Neue durchgeblättert werden.

FLORIAN TRITSCH

Titel: DER WELTATLAS DER FUSSBALL-STADIEN
Autor: John Gillard 
Verlag: Midas Collection
Seiten: 336

 

John Gillards, Fußball