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Die magische Schreibwelt des Torsten Weitze

Im Interview erzählt uns Fantasy-Autor Torsten Weitze alles über seine Werke STURMFELS AKADEMIE - DER TURM DER BETTLER und NEBULA CONVICTO CHRONIKEN 1887 - MISS O'SHEA UND DER LÖWE VON BOSTON. Daneben gewährt er uns Einblicke in seinen kreativen Schreiballtag, seine Begeisterung für Gemeinschaftsproduktionen und seine langjährige Partnerschaft mit LAUSCHmedien.

Du hast ja immer schon gern gelesen. Welche Autoren oder Bücher haben dich am meisten beeinflusst und warum?

Neben Klassikern wie der „Herr der Ringe“ waren da Devid Eddings Belgariad-Saga, die Drachenlanze-Romane oder die Abenteuer um Simon Schneelocke. Mich haben vor allen jene Romane beeinflusst, bei denen die Charaktere nahbar und nachvollziehbar gezeichnet wurden und bei denen es eine ausgeprägte Gruppendynamik gab.
       
Du hast nicht sofort Romane verfasst, sondern eine Ausbildung als Verlagskaufmann gemacht. Hat die Arbeit im Verlag deine Sichtweise auf das Schreiben beeinflusst?

Nicht wirklich. Meine Ausbildung und späterer Werdegang als Kaufmann waren „Kopfentscheidungen“. Ich glaubte nicht daran, jemals einen Roman schreiben zu können, also wollte ich Büchern eben auf andere Weise näher kommen. *lacht* Dies zeigt nur, wie oft und gründlich ich mich in meinem Leben schon geirrt habe.

Torsten Weitze  (Foto © Axel Juseseit)

Am 26. Mai erschien NEBULA CONVICTO CHRONIKEN 1887 - MISS O'SHEA UND DER LÖWE VON BOSTON, der neueste Teil der „Nebula Convicto“-Serie. Um was geht es in der Welt von „Nebula Convicto“?

Die Nebula Convicto bezeichnet eine Parallelgemeinschaft, die neben der mundanen Gesellschaft existiert. Vampire, Werwölfe, Ghule, Trolle, Wichtelmännchen und vieles mehr haben ihre Existenz erfolgreich vor der Menschheit verheimlicht, ihre eigenen Gesetze, Politik und Kultur erschaffen – und damit auch ihre eigenen Strafverfolgungsbehörden. In den Büchern geht es immer um Verbrechen innerhalb der Nebula, die dann von einer bunten Mischung aus unterschiedlichsten Wesen aufgeklärt werden.
       
War die Serie von Anfang an als mehrteilige Reihe konzipiert oder hat sich das im Lauf des Schreibens von „Nebula Convicto - Grayson Steel und der Verhangene Rat von London“ entwickelt?

Als Reihe, definitiv. Ich denke, ich bin eher ein Serienmensch. Sollte ich je einen Einzelband schreiben, wäre der wahrscheinlich 2.000 Seiten lang. *lacht*
       
NEBULA CONVICTO CHRONIKEN 1887 - MISS O'SHEA UND DER LÖWE VON BOSTON hast du nicht allein verfasst, sondern in Zusammenarbeit mit Dan Dreyer. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Ich hatte diese Vision von Geschichten aus der Nebula, die in der Historie unserer Welt spielen, doch um diese zu schreiben muss man sich in eben jener Historie auskennen. Also suchte ich nach einem Autor der historische Fantasy schreibt und als ich zufällig Dan kennenlernte und wir uns auf Anhieb gut miteinander verstanden, war schnell die Idee geboren, dass er jene Romane entwirft und schreibt, die ich nie hätte realisieren können. Ich bin darüber sehr glücklich und ihm für sein Vertrauen in mein Nebula-Universum äußerst dankbar.
       
Am 14. Juli erscheint dein neuester Roman STURMFELS AKADEMIE - DER TURM DER BETTLER kannst du unseren Leserinnen und Lesern einen kleinen Einblick gehen was sie dort erwartet?

Was meinen neuen Roman betrifft, so geht es beim Auftakt dieser High-Fantasy-Reihe um ein mittelloses Mädchen namens Niri, dass nach dem Tod seines Oheims mittels einer sogenannten Bettlermünze eine Art Stipendium an der Sturmfels-Akademie erhält, wo sowohl der Umgang mit Waffen als auch Magie gelehrt wird. Doch dort angekommen muss Niri feststellen, dass sie durch ihre Bettlermünze lediglich Zugang zum Turm der Bettler erhält. Will sie mehr als nur das absolute Minimum lernen, welches die Akademie ihr in diesem Turm bietet, muss sie dafür zahlen. Und so schweifen ihre verzweifelten Blicke zu den Ruinen am Fuße der Sturmfelsen hinab, in der Hoffnung, dort Reichtum und damit eine Zukunft für sich zu finden …
       
Bald dürfen sich auch Hörfreunde auf die Geschichte freuen, wenn dann das zugehörige Hörbuch erscheint, einmal mehr in Zusammenarbeit mit LAUSCH medien. Was schätzt du an der Zusammenarbeit dem Hamburger Hörbuchlabel?

Sie sind starke, zuverlässige Partner, die stets ein offenes Ohr für Wünsche und Anregungen haben. Tatsächlich bin ich so zufrieden mir unserer Zusammenarbeit, dass wir unsere Kooperation ausgeweitet haben und auch das Taschenbuch von „Der Turm der Bettler“ durch LAUSCH veröffentlicht wird.

Was macht ein gutes Hörbuch für dich aus?

Der Sprecher, bzw. die Sprecherin. Wenn der Text verstanden, ja gefühlt wird, beim Einlesen, dann spürt dies auch der Hörende und es entsteht eine vollkommen andere, intensivere Bindung zur Geschichte und den Protagonisten. Wenn dann auch noch eine meisterhafte Modulation dazu kommt, entsteht ein Sog, dem sich nur schwer entzogen werden kann.

Wie sieht ein typischer Schreibtag für dich aus? Hast du eine bestimmte Routine oder Vorgehensweise?

Ich habe mir eine Routine angewöhnt, schon allein, um das Pensum von drei Romanen pro Jahr zu bewältigen, du dem ja nun auch noch Gemeinschaftsprojekte hinzugekommen sind. Tagsüber kümmere ich mich um die Dinge, die rund um das Schreiben anfallen, aber nicht mit dem eigentlichen Schaffungsprozess zu tun haben, wie beispielsweise Meetings mit dem Verlag oder auch das Beantworten von Fanmails. Ab dem späten Abend schreibe ich dann an meinen Hauptromanen, je nach festgelegtem Pensum zehn bis fünfzehn Seiten pro Werktag. Gegen zwei oder drei Uhr nachts bin ich damit fertig und schon bald beginnt der neue Tag. *lacht* Am Wochenende versuche ich gar nicht zu arbeiten, das klappt fast immer. Zwischen den einzelnen Büchern habe ich mehrere Wochen nachts „frei“ und kümmere mich nur tagsüber um Organisatorisches.
       
Verrätst du uns an was du gerade arbeitest?           

Ich habe gerade das Manuskript zum nächsten Nebula-Roman abgegeben, der im Herbst erscheint und den Titel „Gefangene des Großen Spiels“ trägt. Momentan arbeite ich am zweiten Band der Sturmfels-Akademie Reihe, der im Winter erscheint.

Wie entspannst du dich zwischen dem Schreiben?

Indem ich Geschichten anderer genieße, meist als Film, Serie oder auch Computerspiel. Leider lese ich kaum noch, seit ich schreibe, das fühlt sich zu sehr nach Arbeit an.
       
Welche Ratschläge würdest du jungen Schriftstellern geben, die in der Fantasy-Roman-Welt Fuß fassen möchten?

Bleibt am Ball. Klingt banal, ist aber für mich die goldene Regel. Wenn ihr einen Roman schreiben wollt, legt euch ein tägliches Ziel fest, dass ihr einhaltet, z.b. eine Seite pro Tag. Da kommt in einem Jahr schnell ein kurzer Roman zusammen.

Und seid nicht zu kritisch mit euch und eurem Werk, zumindest nicht im ersten Schreibprozess. Es muss nicht jedes Wort auf Anhieb sitzen, schreibt erst einmal die Geschichte auf und lest sie euch nachher aufmerksam durch. Ihr werdet schnell merken, wenn ihr irgendwo hängen bleibt, weil ihr z.b. über eure eigenen Formulierungen stolpert und könnt dann immer noch nach Herzenslust nachbessern und umgestalten. 

Zum Schluss gilt: Niemand ist eine Insel. Holt euch Hilfe, indem ihr euch Testleser sucht oder, wenn ihr selbst veröffentlichen wollt, dann in jeden Fall eine Person, die ein professionelles Lektorat durchführt. Ich kann nur sagen, ohne meine Lektorin wäre ich damals sang- und klanglos untergegangen *lacht*
       
Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte FLORIAN TRITSCH

Titel: NEBULA CONVICTO CHRONIKEN 1887 - MISS O'SHEA UND DER LÖWE VON BOSTON
Autor: Dan Dreyer, Torsten Weitze
Laufzeit: ca. 728 Min.
Verlag: LAUSCHmedien