01. September 2019
Control
CONTROL, ein Third-Person-Shooter aus dem Hause Remedy Entertainment, schmeißt seine Spieler ohne große Worte ins Geschehen. Als Jesse Faden betritt man die Eingangshalle einer Geheimbehörde der US-Regierung, in der eine böse Macht die Mitarbeiter zu Monstern hat mutieren lassen.
Von Beginn an ist Jesse in diesem Kampf zum Dienstmädchen degradiert. So reduzieren sich die Aufgaben, die sie von den wenigen Überlebenden in der Behörde erhält, auf „lauf dorthin“, „sammel dies“ und „aktiviere das“. Einige nette Nebenschauplätze, wie das Duell gegen das eigene Spiegelbild, hält CONTROL dann zwar bereit. In den Nebenmissionen geht es aber eher darum, unzählige Geheimpapiere zu entfalten, die Hinweise auf die Hintergründe der Geschehnisse geben sollen – gleichzeitig aber die durchgestylte Action verlangsamen. Denn das Aufregendste an CONTROL sind nicht etwa verstaubte Dokumente, sondern die ausgehebelten physikalischen Gesetze. Gegenstände wie Bodenplatten können nach Belieben auf Gegner geschleudert werden, während Jesse im Spielverlauf die Fähigkeit erlernt, selbst zu levitieren. Das fühlt sich in etwa so an wie der Moment, als man in „Wanted“ zum ersten Mal um die Kurve ballern konnte.
Ballern kann Jesse auch. Sogar mit drei unterschiedlichen Pistolen, die hochgeskillt werden können. Doch während das Waffensystem Spaß macht, laufen die Kämpfe selbst meistens nach demselben Muster ab: Man wirft Gegenstände auf Gegner und ballert dann ein paar Salven Schrot hinterher. Nach etwa zehn Stunden Spielzeit erlahmt das Prinzip. Schräg ist hingegen, wie sich das Raumdesign stetig verändert. Räume kommen in CONTROL dazu, verschwinden, ermöglichen es, Zeitdimensionen zu überschreiten. Begleitet wird der Spieler dabei akustisch von einem Flüstern, das ähnlich seltsam in der Luft hängt wie manche Gegner.
Dabei ist CONTROL von den Farbkontrasten bis hin zur schwebenden Jesse wirklich wunderbar anzusehen. Phasenweise wirken die kühlen Gemäuer sogar klaustrophobisch eng. Nicht selten ist man während des Spiels dazu geneigt, vor Betonbottichen innezuhalten und sich von den Palmenpflanzen ein bisschen Sauerstoff durch die Nase zu ziehen. Auch eine Welt, in der zunächst nichts unmöglich scheint, weist dann hier ihre Schranken auf. Zumindest das scheint bei CONTROL in Beton gemeißelt.
Publisher: 505 Games
Plattformen: PS4, Xbox One, PC
USK: ab 16
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