Dada macht was sie will
Wenn Akira Toriyama („Dragonball“) und Eichiiro Oda („One Piece“) einen Manga zusammen erschaffen hätten, DADA ADVENTURE wäre es gewesen. Der EU-Manga, gezeichnet von Leonardo Berghella und geschrieben von Alessandro Starace, folgt keinem starren Genre-Konzept, wenngleich Züge des Shōnen-Genres durchaus erkennbar sind – nur gibt es statt einer männlichen Hauptfigur ein putziges Mädchen.
Ob vom Himmel gefallen oder ausgesetzt – die kleine Dada scheint das nicht zu kümmern. Sie findet sich eines Tages auf der Erde wieder und versucht als Erstes, Freundschaft mit einer feuerspuckenden Riesenechse zu schließen. „Sally“, wie sie die Kreatur tauft, versucht prompt, sie anzugreifen. Aber ein magisches Gerät in ihrer Hand saugt die Feuersalve ein und lässt sie Dada – natürlich fachlich korrekt ausgeführt – durch den Mund zurück an den Absender senden.
Erschöpft und mit einer geschrumpften Feuerechse als Kuscheltier döst Dada weg – als sie erwacht, findet sie sich umringt von einer Horde Ureinwohner (?) wieder. Die wollen von ihr, nachdem sie Zeuge der Echsenkloppe waren, dass sie einen fiesen Troll besiegt, um ein wertvolles Artefakt zurückzuholen. Sofort macht sich das Mädchen auf, denn grundsätzlich ist jeder erst mal ein Freund.
Schnell stellt sich der Troll als Beschützer heraus, ist das Ei nämlich ein verfluchter Gegenstand. Nachdem Dada das Ei aus Versehen zerstört hat, lassen die Ureinwohner sie mit dem vermeintlich bösen Troll allein – Grenf, so der Name des Trolls, ist ein sanftmütiger Riese, der Dada aufnimmt und ihr von seinen Abenteuern erzählt. Beschwingt von seinen Erzählungen will das junge Mädchen selbst die Welt sehen, gemeinsam mit Grenf. Der schenkt ihr ein Buch über seine Abenteuer und kurz darauf werden die beiden durch einen Schicksalsschlag getrennt. Aber Dada denkt nicht daran, ihr Vorhaben aufzugeben – auch wenn das heißt, dass sie als Mädchen in die nächste Bar stiefelt, um sich bei einem Humpen Bier neue Freunde zu suchen.
Humor der Altmeister
DADA ADVENTURE siedelt sich irgendwo zwischen dem geschriebenen Shōnen-Manga und dem gespielten J-RPG an. Mit jedem Kampf wird Dada stärker, der Manga erklärt auf gesonderten Seiten die verschiedenen Völker, Waffen und Magieformen – als würde man ein sehr entspanntes Ingame-Tutorial der alten Rollenspiel-Schule zu PlayStation-1-Zeiten erleben. Allein die erste Farbseite mutet an, als wäre sie direkt aus dem „Dragon Quest“-Zeitalter der NES-Ära ins Manga-Format gehüpft. Das Gefühl, ein Werk in der Hand zu haben, das Zeiten überdauert, vertieft sich beim Stöbern durch die Panels.
Klassische Elemente wie eben magische Artefakte, magische Kreaturen und seltsame Formen von Magie ziehen sich einmal quer durch die Geschichte. Dabei sind sie ebenso vielschichtig wie die Völker, die die Welt bewohnen, auf der Dada gelandet ist – an Humor hingegen mangelt es nicht. Augen, die fast aus ihren Höhlen springen ob der Begeisterung um Dadas Stärke, bis hin zu überzeichneten, versnobten Adligen, die durch die Welt stolzieren wie Pfauen auf der Balz – nichts bleibt unbespielt, um die Lachmuskeln zu ärgern. Manch einem Liebhaber des Shōnen-Genres dürften hier einige Parallelen mit „One Piece“ oder „Dragonball“ auffallen – gerade wenn Zungen gen Erdboden zu rollen scheinen oder aber Vögel wirken, als hätten sie zu viel Tim Burton inhaliert.
Zeichnen im alten Sinne
Künstler Leonardo Berghalla punktet mit seiner Federführung und erinnert an eine Mischung aus „One Piece“, „Dragonball“ mit einer feinen Prise JRPG-Ästhetik. Die Federführung erinnert mit ihren dicken Strichen, tuschegefüllten schwarzen Stellen für beispielsweise Haare sehr an die „Dragonball“-Schaffensart. Dunkle Haut wird mit Rasterfolie dargestellt und erlaubt hier einen stets gleichen Effekt, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.
Die Kämpfe, die Dada austrägt, sind kurz, aber nicht wenig schön anzusehen. Durch ihre naive Herangehensweise wirken viele ihrer Angriffe eher plump und ein wenig formlos. Aber genau das ist ein Charakterzug des Mädchens, der hier künstlerisch dargestellt wird und trotz der Unvollkommenheit für vollkommene Lacher sorgt. Wo sonst wird eine Riesenechse zu einem gurgelnden Kuscheltier verwurstet?
Die Nebenfiguren kommen mit verschiedenen Eigenheiten daher und sorgen dafür, dass selbst der Wirt im Gasthaus, der anfänglich wenig begeistert ist, einem kleinen Mädchen einen Humpen Bier zu verkaufen, im Gedächtnis bleibt. Mit seiner Mütze und den Glocken daran, die ihn trotz Bärengestalt aussehen lassen wie einen Narren.
Fazit:
DADA ADVENTURE ist eine liebevolle Hommage an klassische JRPGs und die ersten Werke, die ihren Weg nach Europa gefunden haben. Durch die Zusatzseiten, die nicht nur die Welt erklären, sondern auch den Fortschritt der Charaktere sichtbar machen, lässt es für Leser so wirken, als würden sie das Abenteuer gemeinsam mit Dada und ihren Gefährten erleben. Eben nur ohne Controller und Flimmerkiste.
Die zeitlose Schönheit des Zeichenstils lädt, gemeinsam mit der ungewöhnlichen Heldin, zum Verweilen und Untersuchen ein, die Welt, in der sie aufwacht, ist groß und voller Mythen – ein wahrer Leckerbissen für alle, die das Genre und seine Größen lieben und doch etwas Neues suchen.
LILI SCHMIRGAL
Autor: Alessandro Starace,
Zeichner: Leonardo Berghella
Verlag Deutschland: altraverse