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Freunde finden ist schwer – Töten ist leichter

Wenn Maomao aus „Die Tagebücher der Apothekerin“ eine Schwester im Geiste hätte, wäre es die tödlich-ruhige Karin. PALAST DER ASSASSINEN entführt seine Leser an einen Kaiserhof, der zwar voller Schönheiten ist, hinter denen aber hässliche Fassaden lauern. Mangaka Tabasa Iori entführt seine Leser in aktuell neun Bänden in eine kaiserliche Welt, in der es selbst eine trainierte Assassinin alles andere als leicht hat.

Eine neue Arbeit, ein neues Leben, Freunde – so stellt sich Karin ihr neues Leben vor, als sie eine Anstellung am kaiserlichen Hof annimmt. Ihr großes Ziel ist es, endlich in Freiheit zu leben, fern vom Einfluss ihrer Familie. Sie ist die Tochter eines Beamten, der mehr Tyrann als Vater ist, und einer Auftragsmörderin. Damit nicht genug: Karin ist in der „Handwerkskunst“ ihrer Mutter ausgebildet – und wird, nicht zuletzt wegen ihrer Herkunft, von allen anderen am Hof gemieden.

Ihr inniger Wunsch, Freunde zu finden, wird damit erheblich erschwert. Nur der junge Kaiser – obwohl er ein wahres Meer an wunderschönen Frauen um sich hat – bringt ihr Freundlichkeit entgegen. Karin schöpft Hoffnung, dass, wenn sie sich anstrengt und versucht, ihr mörderisches Ich hinter sich zu lassen, ihr Leben endlich ihren Wünschen unterliegt. Aber all das wird hart auf die Probe gestellt, als der Herrscher selbst von einem Attentäter bedroht wird. Um ihre Loyalität zu beweisen – und um ihre Stelle zu behalten – schlüpft sie einmal mehr in die Rolle der verhassten Assassinin. Im Schatten des prächtigen Palastes werden ihre Fähigkeiten dringend gebraucht, denn der hässliche Kampf um die Nachfolge des kaiserlichen Throns hat bereits begonnen.

Historisch schön

Der Manga orientiert sich eher lose an der Epoche der chinesischen Kaiserreiche. Machtspiele, Intrigen und der Kampf um Einfluss am Hof gab es zu jeder Zeit der Reiche – einen genauen Zeitpunkt, wann PALAST DER ASSASSINEN spielt, gibt es also nicht. Für Freunde historischer Genauigkeit ist die Geschichte daher nicht zu empfehlen – aber ein wenig chinesischen Chic bringt Mangaka Iori trotzdem.

Die Gewänder der Figuren orientieren sich an chinesischen Roben – die den japanischen Kimonos in all ihren Varianten gar nicht unähnlich sind – und zeugen außerdem von der Stellung einer Person. Karin trägt ein einfaches Gewand ohne Musterung oder Schmuck – im starken Kontrast dazu stehen die hochrangigen Damen. Ihre Hanfus – die chinesische Variante des Kimono – haben mehrere Lagen und sind mit aufwendigen Ornamenten bestickt. Prachtvoller Haarschmuck aus mehreren Nadeln und Spangen sowie edle Gürtel runden das Bild ab.

Nicht weniger imposant sind die Umgebungen. Holzvertäfelungen, Zäune und auch Türen lassen teuerste Materialien ebenso erahnen wie die geschwungenen Dächer und weißen Steinwände der Palastanlage. Abgerundet durch üppige Gärten und Pavillons für einen Kaffeeklatsch wirkt das Palastleben lebendig und absolut pompös.

Mangaka Tabasa Iori führt seine Feder zart. Schmale Linien dominieren seinen Zeichenstil und wirken, gerade bei der Darstellung von Licht, fast durchsichtig. Haare wirken natürlicher, und selbst schnelle Bewegungen – etwa wenn eine der Adelsdamen meint, Karin Gewalt antun zu müssen – erleben durch seinen Stil eine beängstigende und fast erdrückende Dynamik. Seine Panels sind fließend, aber situationsbedingt auch durchlässig. Manche Figuren ragen bis ins nächste Panel hinein, bei manchen Szenen – gerade wenn sie emotional sind – verzichtet er fast gänzlich auf eine Trennung.

Fazit

PALAST DER ASSASSINEN ist ein atmosphärischer Mix aus Hofdrama und Action, der Fans von Intrigen und starken weiblichen Protagonistinnen begeistern dürfte. Wer historische Settings mit Manga-Charme liebt, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

LILI SCHMIRGAL

Titel: PALAST DER ASSASSINEN
Autor und Zeichner:  Tabasa Iori 
Seiten: 160 Seiten
Verlag: Carlsen Manga!