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08. September 2026

Von: MARCUS RÄTZKE

Gamescom 2026: zwischen Menschenmassen, Spieleperlen und Highlights

Volle Hallen, lange Schlangen, steigende Preise und trotzdem jede Menge Begeisterung: Die GAMESCOM 2026 zeigt der Branche, warum Köln auch ohne die ganz großen Blockbuster ein Pflichttermin für Spielefans bleibt.

Die weltgrößte Spielemesse öffnete wieder ihre Pforten. Tausende stehen bereits vor den Toren und warten ungeduldig darauf, dass sich die Eingänge endlich öffnen. Die GAMESCOM bleibt ein Treffen für Gleichgesinnte, eine Art Klassentreffen, bei dem man eigentlich seine Nebenperson nicht einmal kennt – und sich trotzdem wie zu Hause fühlt. Nach den ersten Schritten durch die Besucherhallen ist man von Menschen umgeben, die die gleiche Leidenschaft teilen. Manche tragen das offen zur Schau, schlüpfen in die Kostüme ihrer Lieblingscharaktere und andere wiederum stehen stundenlang für ein Spiel an, das sie anschließend gerade einmal 20 Minuten ausprobieren dürfen. Doch egal, in welche Richtung man schaut oder wen man hier in Köln fragt: Eines eint sie alle – die Liebe zum Videospiel. Gaming ist hier nicht nur ein Hobby, sondern ein gemeinsames Erlebnis.

Selbstredend haben auch wir unsere Redakteure losgeschickt, die sich ins Getümmel stürzten. Wer einmal die GAMESCOM besucht hat, ahnt es vielleicht schon, aber die Hallen werden nicht nur von „vielen Besuchern“ bevölkert, sondern wahre Menschenmassen schieben sich durch die breiten Gänge. An manchen Stellen mag es zu Engpässen kommen, aber die grundsätzliche Führung der Ticketinhaber ist jahrzehntelang nun schon von der Messe erprobt. Gerade an den besucherstarken Tagen kann aus einem eigentlich kurzen Spielebesuch schnell eine Geduldsprobe werden. Trotzdem gehört genau das irgendwie zur GAMESCOM dazu. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine der größten Veranstaltungen der Spielebranche nicht aus sicherer Entfernung, sondern mittendrin.

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Das ganz große Highlight fehlte 2026 allerdings. Der eine AAA-Titel, der alle anderen Spiele überstrahlt und über den anschließend die gesamte Gaming-Welt spricht, war nicht auszumachen. Den gab es mit dem zeitexklusiven Angebot von Netflix auf einer völlig anderen Bühne. Die Rede ist hier von GTA VI. Ob sich die Macher rund um Rockstar gezielt einen Tag in der GAMESCOM-Woche ausgesucht haben, um die enorme Bedeutung des Spiels einmal mehr unter Beweis zu stellen, oder ob sie schlicht ohne Absicht handelten, sei mal dahingestellt. Dennoch macht der Trailer deutlich, mit welch enormer Strahlkraft das kommende Entertainment-Schwergewicht alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Auch ohne großen physischen Auftritt blieb GTA VI damit eines der Spiele, über das gesprochen wurde.

Eine auffällige Lücke hinterließ dagegen erneut Playstation. Der größte Akteur im Konsolenmarkt glänzte ebenfalls mit abermaliger Abwesenheit. Umso stärker fiel der Auftritt von XBOX aus. Der Stand war nicht nur groß und voller Spiele, sondern auch mit Blick auf Barrierefreiheit bemerkenswert. Ein Messeauftritt sollte möglichst vielen Menschen offenstehen – XBOX zeigte, wie sich dieser Anspruch sichtbar umsetzen lässt.

Auch die kürzlich vom Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien aufgekaufte und nun privat geführte Electronic Arts hatte einen der sehenswertesten Auftritte der Messe. Rund um den neuen „Grounds“-Modus von EA Sports FC entstand eine kleine Stadt mit verschiedenen Ständen, die zum Entdecken und Verweilen einluden. Statt einfach nur Konsolen aufzustellen, wurde eine eigene kleine Erlebniswelt geschaffen.

Dafür gab es viele kleinere Highlights zu entdecken. Besonders die Stände von Capcom und Konami blieben uns im Gedächtnis. Am Fachbesucher-Mittwoch hatten wir dabei einen entscheidenden Vorteil: Die Wartezeiten waren teilweise noch erstaunlich human. An manchen Ständen wurden Besucher sogar spontan heran gewunken, um das neueste Spiel zu begutachten. An einem gamescom-Samstag wäre eine solche Situation kaum vorstellbar.

Am Ende bleibt deshalb ein ambivalenter, aber vor allem positiver Eindruck. Die GAMESCOM hat vielleicht nicht mehr die allergrößten AAA-Studios und Spiele auf ihren Flächen. Aber sie ist ein riesiges Communitytreffen, bei dem Gleichgesinnte zusammenkommen, ihrem Hobby frönen und Gaming gemeinsam erleben können. Genau darin liegt ihre große Stärke.

Die großen Player sollten sich deshalb nicht scheuen, wieder stärker Teil dieses Erlebnisses zu werden. Es lohnt sich – für die Fans, für die Entwickler und für die Messe selbst. Trotz langer Schlangen, hoher Preise und des fehlenden ganz großen Highlights bleibt die gamescom ein einzigartiges Erlebnis. Und so darf man sich schon jetzt auf 2027 in Köln freuen: auf volle Hallen, neue Spiele, alte Bekannte, überraschende Entdeckungen und hoffentlich auch wieder auf einige der großen Player, die zeigen, dass sie Teil dieses einzigartigen Community-Erlebnisses nicht nur können, sondern sein wollen.

 

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