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15. August 2026

Die wanderbare Welt des Lutz Granert

Wandern, Kulturgeschichte, Wein und ein bisschen Abenteuer: Die Saale-Unstrut-Region lässt sich auf vielen Wegen entdecken. Wir haben mit Lutz Granert, dem Autor des Wanderführers SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE über seine Leidenschaft und über seine kommende Livelesungen, u. a. auf der Rudelsburg gesprochen.

Wer eine Region wirklich kennenlernen möchte, sollte manchmal einfach loslaufen. Zwischen Burgen, Weinbergen, Flusstälern und historischen Spuren gibt es in der Saale-Unstrut-Region jede Menge zu entdecken – und genau diesen besonderen Mix nimmt der neue Wanderführer SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE in den Blick. Wir haben mit dem Autor darüber gesprochen, was ihn selbst immer wieder hinaus auf die Wege zieht und was beim Wandern besonders wichtig ist. Mehr zum Buch lest ihr hier.

Wer den Autor nicht nur lesen, sondern live erleben möchte, hat dazu u.a. am Samstag, dem 22. August, bei einer Lesung auf der Rudelsburg in Bad Kösen Gelegenheit – und damit an einem Ort, der wohl kaum passender für einen Abend über das Wandern durch Saale-Unstrut sein könnte. 

Mehr Informationen zur Lesung und Karten erhaltet Ihr hier.

Was fasziniert Dich so am Wandern?

Das Erleben in der Natur bei frischer Luft und tollen Ausblicken oder an stillen Plätzen. Trotz mancher körperlicher Anstrengung sind es wohltuende Auszeiten in unserem hektischen Alltag. Man tut eben etwas für die Seele, da stimmt der Titel meines neuen Wanderführers.

Apropos: Mit SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE hast du mittlerweile deinen zweiten Wanderführer veröffentlicht. Und dafür reicht es ja nicht, jede der 20 Strecken einmal gelaufen zu sein, oder?

Tatsächlich hat das Ablaufen einiger Routen direkt auf Anhieb geklappt. Andere Routen wiederum musste ich mir hart erarbeiten, bis ich wirklich damit zufrieden war.

Für die im Buch als „Himmel & Erde“ beschriebene Tour rund um den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra und das Kloster Memleben habe ich drei Anläufe gebraucht, bis ich sowohl hinsichtlich Sehenswürdigkeiten am Weg als auch dem Weg selbst zufrieden war. Beim ersten Mal bin ich am Fundort der Himmelsscheibe gar nicht vorbeigekommen, das geht natürlich nicht. Von Gestrüpp überwucherte Abschnitte, durch die ich mich beim zweiten Versuch kämpfen musste, konnte ich auch nicht ernsthaft empfehlen. 

Was war Dir bei der Zusammenstellung der Touren besonders wichtig?

Ich wollte nicht einfach nur irgendeinem bestimmten (Rund-)Wanderweg oder Komoot-Touren folgen, sondern – wenn möglich – einen Mehrwert präsentieren. Abseits ausgelatschter Pfade kombiniere ich verschiedene Wanderwege oder andere Pfade, zeige lohnenswerte Abstecher auf und hin und wieder ist auch ein toller Aussichtspunkt oder ein idyllischer Rastplatz dabei.

Bei einer Tour durch den von Weingütern gesäumten Blütengrund und vorbei am Radierhäuschen vom Maler Max Klinger sowie dem Steinernen Festbuch kommt man etwa nicht umhin, auch länger auf dem asphaltierten Unstrut-Radweg unterwegs zu sein. Doch irgendwann biege ich ab und schlage einen Abstecher durch den idyllischen Gutspark Großjena vor, in dessen unmittelbarer Nähe mit der Orangerie auch eine gemütliche Einkehrmöglichkeit liegt.

Nicht nur Lutz Granert geht auf Wanderschaft: Der Autor von WOLFSPFADE folgt dabei einem ganz besonderen weg.

Gerade Filme über den Jakobsweg zeigen, dass Wandern im Kino häufig gar nicht das eigentliche Thema ist, sondern zum Ausgangspunkt für eine persönliche Veränderung wird. Warum eignet sich ausgerechnet das Wandern so gut als filmische Reise zu sich selbst?

Weil man achtsamer unterwegs ist und an sich selbst arbeiten muss. Gerade Fernwanderungen über mehrere Tage sind nicht nur körperlich herausfordernd, wenn Blasen drücken oder die Knie wehtun. Auch mental fordern sie heraus, wenn das Wetter einfach nicht mitspielt.
So war es auch auf unserer Alpentour im September letzten Jahres. Meine Frau und ich waren auf dem E5 von Zwieselstein bis nach Bozen unterwegs, das Wetter war von Niesel geprägt, die Sohlen meiner Wanderstiefel waren kaputt und ich hatte ständig nasse Füße. Aber genau das hat die Tour neben vielen tollen Ausblicken etwa vom Timmelsjoch so unvergesslich gemacht.

Gibt es einen Film zum Thema Wandern, den du empfehlen kannst?

Zuletzt habe ich „The North“ gesehen, der bei zwei Freunden sehr schön die Probleme einer gemeinsamen Fernwanderung herausgestellt. Wenn man einfach nicht aufeinander abgestimmt ist, ein sehr unterschiedliches Tempo läuft und unterschiedliche Ambitionen verfolgt, wird sie wenig Freude bereiten. Vorbereitung und derselbe Rhythmus sind tatsächlich wichtig, wenn man mehrere Tage zusammen wandern möchte. 

Auch „Der Salzpfad“ fand ich toll: Die aus wirtschaftlicher Not geborene Wanderung des Paares hatte bei allen Unwägbarkeiten etwas Heilsames und die Beiden erlebten dadurch bleibende menschliche Begegnungen. Dafür braucht es keinen Luxus, keine teuren Hotels – im Gegenteil.

Du bist ja schon mit vielen Wanderpartnerinnen und -partnern unterwegs gewesen. Unter anderem mit Freunden, deiner Frau und – für dein aktuelles Projekt SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE – mit deiner Mutter.  Was ist bei Wanderpartner*innen wichtiger: Gute Kondition, Humor oder Orientierungssinn?

Das kommt auf die Tour an. In der Saale-Unstrut-Region spielt die Kondition nicht eine ganz so große Rolle wie in den Alpen, wenn es schon mal 1.000 Höhenmeter rauf geht. Humor zu haben, schadet nicht. Aber eine gewisse Härte gegen sich selbst, Genügsamkeit und die Fähigkeit, einfach mal Momente der Stille zu genießen und sich an Weitblicken oder der Natur zu erfreuen, sind meiner Meinung nach sehr viel wichtiger.

Autor Lutz Granert (Foto:© Astrid Gercke)

SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE steht ja nicht für sich allein, sondern ist Teil einer bereits etablierten Reihe. Was macht das Schreiben für eine solche Reihe leichter, weil Format, Stil und Anspruch bereits vorgegeben sind?

Um ehrlich zu sein, fiel es mir anfangs etwas schwer, mich auf den poetischen Ton der Buchreihe einzulassen, da ich abseits von ein paar Wortspielen zu pragmatischer Sprache neige - eben durch meine Prägung als Journalist. Der sehr gute Lektor hat mir dabei schmerzhaft vor Augen geführt, wie sprachlich arm es ist, nur „laufen“ als Verb zu verwenden – und ich musste nach Synonymen suchen. Das hat dem Buch stilistisch gut getan. Mit Leitplanken schreibt es sich tatsächlich einfacher.

Gab es beim Schreiben eine Route oder einen Ort, bei dem du selbst überrascht warst und gedacht hast: „Das hatte ich jetzt so überhaupt nicht erwartet“?

Bei der „Da blüht was!“ betitelten Tour wurde ich überrascht: Ich kannte die „Himmelstreppe“ mit ihren fantastischen Ausblicken ins Tal bis dahin überhaupt nicht und war erstaunt, wie viele Schmetterlinge und Orchideen es rund um Krawinkel und bei Steinbach zu entdecken gibt.

Du hast bereits mit FREUDENTHALWEG: VON HAMBURG-HARBURG NACH VERDEN einen Wanderführer verfasst, zu dem wir auch schon einmal ein Interview geführt haben. Wenn Du beide Projekte miteinander vergleichst: Was unterscheidet sie am stärksten?

Der Freudenthalweg ist ein durchgehend markierter Fernwanderweg, der durch die Lüneburger Heide führt. Also eine Streckenwanderung, bei der ich zwar auf kurze Abstecher oder eine historische Routenführung aufmerksam machen konnte, aber einer feststehenden Strecke folgen musste. In SAALE-UNSTRUT. WANDERN FÜR DIE SEELE sind überwiegend Rundtouren zu finden, bei deren Zusammenstellung ich freie Hand hatte. Das war ein anderes, ebenso experimentelles wie ergebnisoffenes Arbeiten.

Und jetzt die etwas gemeinere Variante: Welche der beiden Landschaften – also Lüneburger Heide und Saale-Unstrut-Region – findest du persönlich schöner?

In der Lüneburger Heide sieht eben jede Heidefläche (fast) gleich aus, das Land ist flach, Aussichtspunkte sind rar, Bauerndörfer ähneln sich in ihren Sehenswürdigkeiten. Da ist mir meine alte Heimat doch etwa lieber: Hier gibt es allein schon durch Muschelkalkhänge, Weinberge und auch einige Burgen und Schlösser einfach mehr zu sehen.

Wenn du jetzt Freudenthalweg gesagt hättest, hättest du es vielleicht am 21. und 22. August schwerer gehabt. Denn da stehen insgesamt drei Buchpräsentationen mit Live-Lesungen an, unter anderem im Rittersaal der altehrwürdigen Rudelsburg. Was macht für dich den Reiz aus, über eine Region nicht nur in einem Buch zu schreiben, sondern vor Publikum zu darüber zu sprechen?

Die unmittelbare Rückmeldung der Menschen vor Ort zu erleben! Das reicht von sichtlichem Interesse über Staunen und Lob bis hin zu Kritik.

Beim ersten Termin auf dem Weingut Pawis meinte eine renitente Dame aus Halle, dass ich keine Ahnung von der Region hätte, weil eine Tour durch den Blütengrund fehle, wo die Unstrut in die Saale fließt und sehr viele Weingüter zu finden sind. Tatsächlich habe ich den Blütengrund in meiner Präsentation mit keinem Wort erwähnt, eben weil ihn vor Ort jeder kennt. Wie vorhin schon erwähnt, ist im Buch eine Tour hier entlang aber trotzdem zu finden. Das nehme ich als Anregung mit.

FLORIAN TRITSCH

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