Radu´s Gaming Corner: Rückkehr nach Nosgoth
Das epische Finale der Legacy of Kain Reihe wurde remastered. Wir reisen mit euch nach Nosgoth und erkunden eine Welt voller Konflikte, Intrigen und Prophezeiungen.
Eine kleine Anekdote zum Einstieg: Wir schreiben das Jahr 2004. Ich sitze in meiner kleinen 40 Quadratmeter Wohnung an einem kalten Wintermorgen und starre auf den Bildschirm. Vor meinen Augen steht der uralte Vampir Kain und wirft einen Blick auf die Säulen Nosgoths, ehe der Abspann über den Monitor flimmert. Ich lehne mich zurück und schaue auf die Uhr. In ca. einer halben Stunde holen mich meine Freunde ab und wir fahren gemeinsam für eine Woche in die Center Parcs. Während ich meine Sachen packe, lasse ich die letzte Nacht nochmal Revue passieren; Raziels Flucht aus der Unterwelt, Kains Dialog mit Möbius, die Prophezeiungen , die ich in alten Ruinen entdeckt habe und die Konfrontation zwischen meinen Lieblingscharakteren Kain und Raziel. Die Geschichte ist erzählt und zurück bleiben viele Emotionen, nachdem die Masken gelüftet und die Hände des Puppenspielers gesehen wurden. Wer hätte gedacht, dass meine Reise durch Nosgoth an diesem Wintermorgen sein Ende findet?

Seit dem ersten Soul Reaver Teil bin ich begeisterter Fan der Reihe und besonders von den Charakteren und der Geschichte. Auch wenn die Spielmechanik im Laufe der Jahre teilweise schlecht gealtert ist, so machen es die Welt Nosgoth, der Soundtrack, die Atmosphäre und das Charisma der Hauptfiguren locker wieder wett. Seit 22 Jahren tröte ich also munter nach einem neuen Legacy of Kain Titel und werde nicht müde, jeden mit der Welt Nosgoth zu nerven.
| Siehe auch unsere Liebeserklärung an die Legacy of Kain Reihe |

Sowohl die Blood Omen, als auch die Soul Reaver Teile habe ich mehrfach durchgespielt, während ich den Multiplayer Nosgoth jedoch links liegen gelassen habe. Ich war Dauergast auf der (mittlerweile leider geschlossenen) Fanseite legacyofkain.de, auf der es tonnenweise Theorien zur Lore, Bilder und Tipps gab. Irgendwann fand ich im Internet eine Version vom ersten Blood Omen, das ich nochmal durchspielte und stellte dabei fest, dass die Faszination für Nosgoth auch nach so vielen Jahren ungebrochen ist. Dann kam die Frage von Crystal Dynamics an die Fans, ob man Interesse an das Legacy of Kain Franchise hätte. Die Antwort muss einem Orkan geglichen haben, denn sie wurden quasi über Nacht mit Zustimmung überrollt und ich war froh, mit meiner Liebe zur Serie nicht allein zu sein. Dann wurde es still, ehe im Netz auf einer Comic Con ein Bild von einer Statue zu „Soul Reaver 2“ geleakt wurde, was ordentlich Öl in die Gerüchteküche für Neuigkeiten aus Nosgoth goss. Es folgten eine Kickstarter Kampagne (ich warte mittlerweile fast 3 Jahre auf den physischen Comic und die Schallplatten des Soundtracks), ehe am 10. Dezember 2024 viele Gebete erhört wurden und Soul Reaver 1 & 2 als Remastered erschien. Ehrlich gesagt war ich ein wenig enttäuscht, dass man sich nicht an ein vollständiges Remake gemacht hatte (ein Remake wie bei „Demon´s Souls“ wäre episch geworden), aber die neu aufgelegte Version bediente mich als Fan in vollen Zügen. Optisch aufgehübschte Versionen, Hintergrundinfos, Outtakes, Concept Arts und noch vieles mehr bereicherten meine Rückkehr nach Nosgoth und machten mich extrem glücklich! Auch wenn der erste Teil von der Mechanik stellenweise nicht so gut gealtert ist, so hat mir mein Run sehr viel Spaß gemacht. Der zweite Teil hat mir immer noch so eine Gänsehaut beschert, wie damals zur Veröffentlichung und ich genoss jede Minute (siehe auch meine Let´s Plays für Soul Reaver 1 und Soul Reaver 2).

Das große Finale, Defiance ist seit dem 3. März erschienen und schafft es, mich als Fan nochmal komplett mit allen Vorzügen und Extras zu bedienen, die ich mir jemals wünschen könnte! Einmal als Kain inmitten der Säulen Nosgoths zu stehen, wenige Augenblicke nach ihrer Zerstörung? Check! Unveröffentlichte Level, massig Concept Arts und Hintergrundgeschichte zu Nosgoth? Check! Endlich eine dynamische Kamera, die ich frei bewegen kann? Ist (endlich) auch an Bord! Nostalgiker können zusätzlich jederzeit zwischen der Originalgrafik und der aufgehübschten Remastered Version wechseln, während man im Hauptmenü auch den kompletten Soundtrack anhören kann. Gerade die frei bewegliche Kamera ist ein echter Gamechanger, der Defiance nochmal auf ein völlig neues Level hebt; hatten mich einige Sprungpassagen in Voradors Anwesen damals noch verzweifeln lassen, so gelingen diese problemlos beim ersten Versuch. Ich könnte hier stundenlang über die theatralischen Dialoge, die poetische Atmosphäre und die Lore schwärmen, die bereits viele Fans monatelang in tiefschürfende Diskussionen getrieben haben, aber ich lasse es einfach mal so stehen. Es ist zwar kein Remake geworden, aber in Sachen Grafik, Steuerung und Handhabung definitiv ein sehr gutes Upgrade. Das Bonusmaterial ist bis zum Bersten gefüllt und macht mich insgesamt schon sehr glücklich. Das absolute Sahnehäubchen (und bestes Kauf Argument für alle Blood Omen Veteranen) ist die Tatsache, dass man für Kain und Raziel verschiedene Kostüme freispielen kann. So bewege ich mich als Statthalter Raziel durch die Level und metzele als Edelmann oder erster Vampir Kain ganze Gegnerhorden nieder. Dabei habe ich mich in den Skin „Grünschnabel- Kriegsherr“ endgültig schockverliebt, den Kain als kämpfenden Veteranvampir aus „Blood Omen 2“ zeigt. Ich hoffe inständig, dass dies bereits ein Wink mit dem Zaunpfahl war, um ein Remake der beiden „Blood Omen“ Teile wahr werden zu lassen.

| Die komplette Story als Film: Falls ihr die Geschichte von Legacy of Kain: Defiance noch einmal erleben möchtet – oder sie zum ersten Mal entdecken wollt – habe ich alle Cutscenes zu einem vollständigen Story-Video zusammengeschnitten. Ohne Gameplay, ohne Unterbrechungen – nur die pure Geschichte von Kain und Raziel. |

Fazit: Fans der Serie und Veteranen werden hier schnell Freudentränen vergießen und eine intensive Rückkehr nach Nosgoth zelebrieren. Neulingen wünsche ich, dass sie ebenfalls von der Atmosphäre angezogen werden und dadurch die angestaubte Spielmechanik (Kämpfen, Rätsel lösen) schnell verziehen werden. Denn wenn das Shiften zwischen Geisterwelt und Welt der Lebenden schon gut ist, so untermalt der Soundtrack und das unfassbar emotionale Charisma der Hauptfiguren die Qualität einer Spielereihe, die nicht umsonst mehr als 20 Jahre auf ein neues Lebenszeichen gewartet hat. Die Legacy of Kain reihe ist ein perfektes Beispiel dafür, wie gut man Computerspiele als Medium nutzen kann, um Geschichten zu erzählen, die noch Jahrzehnte später im Herzen der Fans nachhallen.
Vae Victis!
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