Mehr als nur bloße Klopperei
„My Hero Academia“ gehört zu den beliebtesten Mangas, die in den vergangenen Jahren ihren Weg in die Herzen der Japan-Fans gefunden haben. Selbst große Player wie DC Comics und Marvel könnten bei so viel Heldenpower ins Schwitzen geraten. Insgesamt hat der Manga um Deku und seine Freunde über 100 Millionen Bände verkauft, 40 Millionen davon außerhalb Japans – da wundert es nicht, dass es neben Anime-Umsetzungen und Figuren auch zahlreiche Videospiele gibt. Das neueste, MY HERO ACADEMIA - ALL’S JUSTICE, ist frisch 2026 erschienen.
Der Manga endete bereits am 5. August 2024 nach 430 Kapiteln und zehn Jahren Laufzeit – viele Fans blieben ihren geliebten Charakteren jedoch treu und verfolgten den Anime bis zum Finale am 13. Dezember 2025. Ganz trennen möchten sich viele dennoch nicht. Reddit und andere Foren sind voll von Ideen für eine Fortsetzung der Heldengeschichten, und manch einer greift selbst zum Stift und verfasst Fan-Fictions.
Wer nicht selbst schreiben möchte, kann einen Blick auf das neue Spiel MY HERO ACADEMIA – ALL’S JUSTICE werfen. Die Geschichte – natürlich nur im Singleplayer-Modus verfügbar – basiert auf der achten und damit letzten Staffel des Animes. Es gilt, den Oberbösewicht Tomura Shigaraki endgültig in seine Schranken zu weisen. Deku und seine Gefährten müssen alles geben, um diese große Bedrohung für die Menschheit zu bezwingen. Doch das Spiel bietet mehr als eine bloße Nacherzählung.
Neben einer alternativen Version des finalen Kampfes, die exklusiv für das Spiel entworfen wurde, gehen die Macher noch einen Schritt weiter. Neu hinzugefügte Team-up-Missionen bieten abseits des Story-Modus zusätzliche Inhalte mit bekannten Figuren, die weder im Anime noch im Manga vorkamen. Diese Missionen spielen in einer Mini-Open-World, in der Spieler als Hauptfigur Deku durch das Geschehen ziehen. Verschiedene potenzielle Auftraggeber benötigen Hilfe. Dafür muss sich Deku mit anderen aus seiner Klasse zusammentun, um das jeweilige Missionsziel zu erreichen. Selbst eingefleischte Fans erfahren dabei Neues über die Nachwuchshelden der U.A.

Ohne Kampf geht es nicht
Trotz Story- und Team-up-Modus bleibt MY HERO ACADEMIA: ALL’S JUSTICE ein Kampfspiel. Entsprechend entfällt der Großteil der Spielzeit nicht auf das Lesen, sondern auf das Bearbeiten des Controllers. Jede Figur verfügt über normale Angriffe und vier Spezialattacken. Blocken, Ausweichen, Sprinten und Springen gehören selbstverständlich ebenfalls dazu.
Auch Neulinge im Genre müssen sich nicht fürchten: Es gibt einen „manuellen“ und einen „normalen“ Steuerungsmodus. Letzterer unterstützt Anfänger, indem Kombos und besondere Attacken automatisch ausgelöst werden. Dennoch spielt sich jede Figur in ihren Grundmechaniken ähnlich. Zwar besitzen alle unterschiedliche Superkräfte – im MHA-Universum „Macken“ genannt –, doch komplizierte Tastenkombinationen wie etwa in „Tekken“ oder „Dead or Alive“ müssen sich Spieler nicht einprägen.
Stattdessen lohnt es sich, die Besonderheiten der einzelnen Charaktere genau kennenzulernen. Protagonist Deku oder der Feuer-Eis-Held Shoto Todoroki eignen sich besonders für eine offensive Spielweise mit hohem Schadensoutput. Figuren wie Eijiro Kirishima hingegen sind ideal für die Defensive, da sie ihren Körper härten und viel Schaden einstecken können. Nähe und Distanz spielen eine zentrale Rolle, denn weder Kämpfer noch Verteidiger verfügen über unbegrenzte Reichweite.
Das ist entscheidend, da fast jede Mission im Team aus mehreren Helden der U.A. bestritten wird. Taktisch ist einiges möglich, zumal zwischen den Figuren gewechselt werden kann. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, da Angriffe oft aus allen Richtungen erfolgen. Auch wenn die Steuerung nicht immer mithält, ist die Dynamik der Kämpfe atemberaubend und spiegelt die Vorlage gut wider.
Gekämpft wird in bekannten Arealen aus Manga und Anime, darunter die Trainingshalle der U.A., das Hochsicherheitsgefängnis und schließlich sogar die innere Welt des Oberschurken. Allerdings hat Entwickler Byking hier etwas zu großzügig geplant: Viele Areale sind so weitläufig, dass schnell der Überblick verloren geht, und die Kamera ist selten eine Hilfe. Oft bleibt nichts anderes übrig, als dem Gegner hinterherzueilen.

Ohrenschmaus für Liebhaber
Wer die japanische Sprachausgabe bevorzugt und den Anime im Original verfolgt hat, wird sich freuen: Sowohl die japanischen als auch die englischen Synchronsprecher kehren für ihre Rollen zurück. Auch musikalisch kommen Fans auf ihre Kosten.
Während der Kämpfe und in den Story-Missionen sind die bekannten Klänge des Animes allgegenwärtig und vermitteln das Gefühl, aktiv die letzte Staffel und das finale Abenteuer der Heldentruppe rund um Deku mitzuerleben.
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Fazit: Ein Spiel für Fans – mit klaren Grenzen
MY HERO ACADEMIA: ALL’S JUSTICE ist kein perfektes Spiel, aber ein charmantes. Es lebt von seiner Liebe zur Vorlage, den authentischen Figuren und den spektakulären Quirk-Attacken. Wer den Manga liebt, wird viele kleine Details entdecken, die das Herz höherschlagen lassen. Spielerisch bleibt es jedoch ein eher einfacher Arena-Fighter, der nicht die Tiefe oder technische Finesse großer Genre-Vertreter erreicht. Für Fans ist es ein spaßiges, wenn auch etwas ungeschliffenes Erlebnis – für alle anderen ein solider, aber nicht herausragender Prügler.
LILI SCHMIRGAL
Genre: Beat-em-up
Entwickler: Byking
Publisher: Bandai Namco Entertainment
FSK: 12
Modus: Single- und Multiplayer
Erscheinungsdatum: Veröffentlicht