Von der Legende zum jüngeren Selbst
Mit KILLER PETER liefern Autor Junghyun Kim und Zeichnerin Lina Lim einen düsteren Action-Manhwa, der klassische Rachemotive mit einem frischen Twist verbindet – der Möglichkeit auf eine zweite Chance. Schon die ersten beiden Bände machen klar: Es geht hier nicht darum, persönliche Befindlichkeiten mit Gewalt umzusetzen, sondern einem korrupten System den Marsch zu blasen. Aber nicht um jeden Preis.
Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege – das muss Peter, eine Legende unter den Auftragskillern, lernen, als er viele Jahre des Tötens auf dem Rücken trägt. Nachdem er von seiner eigenen Organisation, dem sogenannten Glory Club, verraten und beinahe getötet wird, geschieht das Unfassbare: Er erwacht im Körper seines jüngeren Ichs – mit all seinen Erinnerungen, Fähigkeiten und Fehlern im Gepäck.
Der erste Band fokussiert sich auf die Anfänge Peters und natürlich dessen Startschwierigkeiten in seinem alten, neuen Leben. Statt jugendlichen Leichtsinns arbeitet sein Verstand so präzise wie ein Uhrwerk, was ihn dazu bringt, taktisch und strategisch zu agieren. So schmiedet er seinen Racheplan gegen all jene, die seinen Tod herbeiführten, aber nunmehr mit weniger Gewalt. Mit Verstand sammelt er Informationen, knüpft neue Kontakte, denn er will die Verstrickungen und Strukturen des Glory Clubs besser verstehen. Auf diesem Weg findet er heraus, dass die Rekrutierungsmethodik der Organisation alles andere als liebenswert ist – noch nicht einmal bei Kindern.
Im zweiten Band geht Peter gezielter gegen den Glory Club vor, hält sich dabei aber bewusst im Hintergrund – denn immerhin möchte er sein neues Leben auch ein wenig genießen. Zu seinem Unmut tauchen alte Feinde auf, aber mit ihnen auch so manche Allianz, die es in seinem ersten Versuch des Lebens so nicht gegeben hat. Misstrauen begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Dabei verschwimmen die Rollen zwischen Jäger und Gejagtem merklich, wobei Peter stets versucht, seinen Gegnern einen Schritt voraus zu sein.
Klarheit im neuen Leben
Visuell ist KILLER PETER ein Augenfest – der Stil modern, wie bei den meisten Webtoons, die aktuell im Druckformat erscheinen. Klare Linien, eine dynamische, aber übersichtliche Panelaufteilung paaren sich mit einer dezent-konsequenten Farbgestaltung. Lina Lim setzt hier auf sanfte Farben, die fast wirken, als wären sie aus dem Aquarellkasten auf die Seiten gehüpft. Einzig bei Actionszenen darf es natürlich dunkel und gedeckt sein, denn brutale Härte und gekonnte, schnelle Bewegungen sollen hier ja nicht lächerlich wirken, sondern chaosfrei über die Seiten tanzen.
Entsprechend legt die Zeichnerin Wert auf Körperhaltung und Gesichter. Peters Kalkül spiegelt sich nicht selten in seinen Augen wider, und sein Nervenkostüm – Misstrauen und der Hauch von Tod – zeigen sich in seiner oft steif wirkenden Körperhaltung. Trotzdem bleibt der Stil sich treu. Experimente, wie sie manch andere Webtoons wagen, lässt Lina Lim aus. Die Augen und das Hirn danken es, müssen sie sich doch nicht fragen, warum Farbschemata ohne Grund verdunkelt oder Hintergründe plötzlich weniger detailliert sind als noch zwei Kapitel zuvor. Konsistenz ist in KILLER PETER absolut gegeben.
Ein Fazit über (k)eine Genreneuerfindung
Inhaltlich bewegt sich KILLER PETER klar im Spannungsfeld von Action, Crime und Supernatural-Elementen. Themen wie Rache, Identität und moralischer Verfall stehen im Zentrum, während das Wiederauferstehungsmotiv für einen interessanten Kniff sorgt.
Dennoch gelingt es dem Manhwa, durch seine konsequente Inszenierung, das hohe Erzähltempo und die düstere Atmosphäre zu überzeugen. Fans von Reihen wie John Wick oder anderen Revenge-Storys bekommen genau das, was sie erwarten – allerdings in einer modernen Webtoon-Form mit Fokus auf Strategie statt bloßer Action.
LILI SCHMIRGAL
Autor: Jung-Hyun Kim
Zeichner: Lina Lim
Verlag: C-Lines
Seiten: 304