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Kurz und knackig

Zwölf neue Geschichten aus dem postapokylptischen Deutschland: In ZOMBIE ZONE GERMANY: LAUF ODER STIRB blitzt auch ein Kommentar zum politischen Zeitgeist durch.

Mit einer durch Maden verursachten Zombie-Epidemie bricht in Deutschland ab Mai 2020 das Chaos aus: Unter dieser Prämisse sind bis heute in der Reihe ZOMBIE ZONE GERMANY bis heute über ein Dutzend Bücher mit Romanen, Novellen und Anthologien erschienen. Die nunmehr vierte Kurzgeschichtensammlung LAUF ODER STIRB erschien im März 2026 und versammelt zwölf Beiträge verschiedener Autor*innen, wobei Fans einige von ihnen bereits kennen.

Janika Rehak etwa, die mit „Elegie“ und „Elegie 2: Der letzte Pianist“ bereits zwei Romane um den in der Lüneburger Heide mit seiner Entourage zurückgezogen lebenden Star-Pianisten Leon Yoshio Maibach vorlegte. Der namenlos auf dem Höpenberg nahe Schneverdingen lebende Protagonist aus Rehaks Kurzgeschichte „Der Galerist oder: Ein ganz normaler Tag in der Apokalypse“ kennt ihn aus seiner Nachbarschaft und flüchtig vom Joggen. Um im Atelier seine Malereien fortzuführen, schröpft er seine Trinkwasservorräte. Subtil und mit viel Empathie entfaltet Rehak die immer klarere Backstory des Ich-Erzählers, der sich allein und entfremdet von der Welt auch durchs Schröpfen seiner Trinkwasservorräte seinem Ende entgegen zeichnet.

Vincent Voss legte mit „Tag 78“ bereits eine Novelle im ZOMBIE ZONE GERMANY-Kanon vor. In „Eine Weihnachtsgeschichte“ scheint zunächst eine heile Welt vorzuherrschen: Vier Kinder backen unter Anleitung ihrer Mütter Kekse in einem Bauernhaus in einem kleinen Dorf. Doch dann erhält die fast schon kitschige Idylle Risse, als die alteingesessene Dorfbewohnerin Sabine gegenüber der zugezogenen Tina ihr fremdenfeindliches und rechtes Gedankengut mit überholten Rollenbildern andeutet. So sei die Zombieseuche eine „Chance“, um „mit den richtigen Leuten unsere Heimat wieder auf[zu]bauen“ – bis Ereignisse von außen die Hierarchie doch wieder abbauen. Die Untoten sorgen für gesellschaftliche Gleichheit: Genre-Literatur wird hier zum politischen Kommentar.

Auch „Operation Endzeit“ von Helga Lange sticht heraus und gibt der Reihe durch eine perfide Makroebene neue Impulse. Millionenerbe Bertram Dahlfels lebt in Überlingen am Bodensee und macht Bekanntschaft mit einer Söldner-Truppe um Reiner. Der ist fest davon überzeugt, dass ausländische Regierungen das deutsche Staatsgebiet nach der kompletten Auslöschung der letzten Überlebenden und einer Quarantänezeit annektieren wollen – weswegen bewaffnete Helikopter Jagd auf sie machen. Schließlich hatte ein „Sicherheitsboom“ durch die „Deutschlandkrise“ bereits Aktienmärkte beflügelt (wie gegenwärtig die höchsten Ausgaben für Rüstung und Militär die Nachrichten bestimmen). Schlurfende Zombies, die sich bei Nahrungsknappheit übrigens gegenseitig vernaschen, werden damit zur Lebensversicherung für die Überlebenden. Gerade durch spannende Spins und Kommentare auf den politischen Zeitgeist unserer höchst realen Gegenwart bleibt auch die vierte Anthologie LAUF ODER STIRB sehr vielfältig.

Informationen zu den Autor*innen fehlen: ein QR-Code auf der letzten Seite führt nur auf die Homepage des Amrûn-Verlags, wo einzelne Genre-Highlights aufgelistet sind. Ärgerlich: Das Inhaltsverzeichnis ist falsch und weicht um zwei Seiten vom tatsächlichen Beginn der Geschichten ab. Diesen Fehler hätte eine eingefügte Doppelseite mit Kurzbiografien elegant retten können.

LUTZ GRANERT

Titel: ZOMBIE ZONE GERMANY: LAUF ODER STIRB
Verlag: Amrûn Verlag
Herausgeberin: Carolin Gmyrek
Erscheinungsform & Seitenzahl: Taschenbuch, 264
Verkaufsstart: veröffentlicht

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