Das Fundament allen Seins
Ein kleines Abenteuer, große Gefühle und viele leise Lebenslektionen: DER HUND, DER DEM MOND FOLGTE erzählt eine warmherzige Reise über Mut, Verlust und den Wert des Miteinanders — berührend für Groß und Klein.
Manchmal ist es schwer, eine geeignete Einleitung zu finden, obwohl das zugrunde liegende Produkt eigentlich gar nicht allzu komplex ist, zumindest im ersten Augenblick. Dennoch sind es wohl die allgemeingültigen Grundregeln des Seins und des miteinander Lebens, die oft schwerer erscheinen, als sie es sind. Und dies gilt wohl auch für das neueste Werk des walisischen Künstlers und Schriftstellers James Norbury. Sein drittes Buch trägt den Titel „Der Hund, der dem Mond folgte“ und behandelt augenscheinlich nur die Geschichte einer kleinen Hündin, die auf den Namen Amaya hört, und ihres kurzzeitigen Gefährten, welcher in Form eines alten, weisen Wolfes an ihrer Seite ist. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn dieses Buch bietet in seiner dargebotenen Form so viel mehr. Aber erst einmal von vorne.
Die kleine Hündin Amaya verliert eines Nachts ihre Eltern in einem dunklen Wald. Natürlich möchte sie so schnell es nur denkbar ist, wieder zu ihnen zurückkehren. Allerdings weiß sie nicht, wohin sie gehen muss, um sich wieder im Kreise ihrer Familie zu wiegen. Leider gerät die kleine Amaya dann auch noch in eine gefährliche Situation, aus der ihr ein alter, weiser Wolf hilft. Dieses etwas ungleiche Duo macht sich nun auf die Suche nach Amayas Eltern. Narrativ kann man nun sagen, dass es eine recht gradlinige Geschichte des Suchens ist. Allerdings würde man der Geschichte damit unrecht tun, denn gerade Töne des eigenen Lernprozesses und des Miteinanders werden auf dieser Klaviatur gekonnt gespielt.
Vornehmlich sind es jene Töne, das Schenken von Mitgefühl, Hilfeleistung, dem Glauben an sich selbst und auch die Akzeptanz von Vergänglichkeit, welche erklingen und den Leser tief in die eigene Welt folgen lassen. Was man vorrangig als Botschaft mitnehmen kann, ist, dass es nicht bei jeder Suche auf das Finden ankommt, sondern dass man auf dem Weg (wie kurvig dieser auch sein mag) so viele Impressionen wie möglich mitnimmt und diese als das wahre Ergebnis sehen sollte. Omnipräsenter noch ist die Botschaft des Zusammenagierens und Machens — lieber etwas probieren und vielleicht auch scheitern, als es niemals probiert zu haben. Der Mut ist es, der uns vorantreibt und Dinge überstehen lässt, von denen wir nicht ahnten, sie zu meistern.
Allerdings beschäftigt sich das Buch auch mit dem Verlust und dem Loslassen von Weggefährten. Gerade durch die erzählerische Vielschichtigkeit gibt „Der Hund, der dem Mond folgte“ jedem Leser — oder auch Kindern, denen es vorgelesen wird — einen eigenen, sehr persönlichen Einblick in die eigene emotionale Welt. Ein jeder wird diese Themen kennen oder auch noch kennenlernen — und das immer auf seine ganz eigene Art und Weise. Zu dieser emotionalen Reise tragen auch die wundervoll gemalten Aquarelle von James Norbury bei, teils vollumfänglich gezeichnet, teils als Skizzen. DER HUND, DER DEM MOND FOLGTE ist ein wundervoll kurzweiliges Buch, welches für jeden Leser auf verschiedensten Ebenen funktionieren kann.
JULIAN GABELUNKE
Autor: James Norbury
Seiten: 176 Seiten
Verlag: Wunderraum