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Mit „National Geographic“ verbindet man in erster Linie spektakuläre Farbfotografien – Naturaufnahmen und Bilder von Tieren, exotisch anmutenden Szenerien und Menschen. Neben monatlich über sechs Millionen Zeitschriften-Exemplaren weltweit erscheinen auch Bildbände oder Reiseführer mit dem charakteristischen gelben Logo: In Deutschland ist der lizenznehmende National Geographic Verlag, angesiedelt im Verlagshaus GeraNova, einer der führenden Publisher für Bildbände, Reiseführer und Foto-Kalender. Doch nicht nur gedruckte Fotografie prägt „National Geographic“, denn natürlich hat man längst auch das Internet für sich entdeckt, nicht zuletzt die Möglichkeiten zur Beteiligung durch Plattformen wie Instagram. Dort hat der Channel @NATGEO sich seit 2012 zu einer der wichtigsten Instagram-Communities entwickelt, der Werke zahlreicher „National Geographic“-Fotografen versammelt und inzwischen mehr als 80 Millionen Abonnenten zählt.

Ein Bildband mit dem Titel @NATGEO – DAS BESTE AUS NATIONAL GEOGRAPHIC INSTAGRAM versammelt nun eine Auswahl der besten Fotos. Auf über 300 Seiten werden etwa 250 meist ganzseitige Abbildungen präsentiert: Tempelanlagen, obskure Eis- und Felsformationen, schlichte Alltagssituationen – und natürlich auch niedliche Tiere. Sogar historische Fotos aus den 1930er oder 50er Jahren finden sich darunter. Bei manchem Foto fragt man sich sofort „Was war denn da los?“ – nicht immer wird diese Frage beantwortet, aber hier und da werden Aufnahmen durch kleine Storys der Fotografen ergänzt, die dann über die jedem Foto ohnehin beigefügten Kurzbeschreibungen hinausgehen. Auch authentische User-Kommentare (die, wie im Internet üblich, mal mehr und oft weniger gehaltvoll ausfallen) sind mitunter eingestreut.

Die Fotografen hätten sich der Herausforderung gestellt, der „global vernetzten Generation über Instagram unseren Planeten zu zeigen, wie sie ihn wahrnehmen“, schreibt Kevin Systrom, Geschäftsführer und Mitbegründer von Instagram, in seinem Vorwort zu dem Band. Die Weltenbummler tun dies mal in Form intensiver Porträts, mal mit Landschaftsaufnahmen, mitunter auch mit Selfies oder Aufnahmen aus der Luft. Mal außergewöhnliche Schnappschüsse, mal regelrechte Bildkompositionen – staunen lassen die einen wie die anderen.

Übrigens: Im Rahmen des diesjährigen April-Heftes der US-Ausgabe (mit dem Titel „Black and White“) hatte das Magazin unter anderem die eigene Vergangenheit kritisch in den Blick genommen – vor allem den Umstand, dass man über die meiste Zeit des Bestehens nicht-weiße Menschen auf Fotos fast ausschließlich in stereotyper Weise dargestellt habe. Das Klischee vom exotischen, unzivilisierten (und vor allem nackten) „Wilden“ sei dabei regelmäßig bedient worden, so die heutige Chefredakteurin Susan Goldberg, die eigens eine Untersuchung durch einen Professor für Fotografie-Geschichte in Auftrag gegeben hatte, in der besagten Ausgabe.

Eine kleine Reflexion über dieses Thema hätte auch diesem Bildband gut getan. Aber wer kann schon sagen, wie @NATGEO und die Dokumentarfotografie als Ganzes sich in Zukunft noch verändern werden?

FRANK KALTOFEN

Herausgeber: Ken Geiger, Cory Richards, Kevin Systrom

Titel: @NATGEO – DAS BESTE AUS NATIONAL GEOGRAPHIC INSTAGRAM

Verlag: National Geographic

Seiten: 336