GROSSE FREIHEIT - DVD

Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und gegen Homophobie: Das intime Gefängnisdrama GROSSE FREIHEIT ist im Verleih von Piffl Medien auf DVD und Blu-Ray erschienen.

Der Paragraph 175 im Strafgesetz war unmenschlich: Schwule Männer wurden kriminalisiert, denn ihnen wurde darin untersagt, ihre Sexualität auszuleben (lesbische Frauen fanden im Übrigen keine Erwähnung). Erst im Jahr 1969 kam es in der Bundesrepublik Deutschland zu einer Gesetzesnovelle, die ausschließlich homosexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren unter Strafe stellte. Doch es dauerte bis 1994, bis der Paragraph 175 gänzlich aus den Gesetzesbüchern verschwand.

GROSSE FREIHEIT erzählt nun die Geschichte vom Homosexuellen Hans Hoffmann (Franz Rogowski), der 1945 von den US-Amerikanern aus den Konzentrationslagern der Nazis befreit und sofort wieder fürs Ausleben seiner sexuellen Orientierung inhaftiert wurde. Hier lernt er als seinen Zellengenossen den Eifersucht-Mörder Viktor (Georg Friedrich) kennen, der ihm anfangs gewalttätig und mit Abscheu begegnet. Während Hans zwischenzeitlich immer wieder aus der Haft entlassen wird und – weil er auf „Klappen“ genannten öffentlichen Toiletten beim Oral- und Analsex gefilmt wurde – immer wieder einsitzt, bleibt Viktor im Gefängnis und verfällt zunehmend der Resignation und harten Drogen. Die beiden Männer freunden sich an, entwickeln sogar Zuneigung füreinander – bis im Jahr 1969 der Paragraph 175 in seiner homophoben Rigorosität fällt...



GROSSE FREIHEIT lebt von seinem authentischen Schauplatz (einer historischen Strafanstalt in Magdeburg) und ist musikalisch nur untermalt von tristen Jazz-Einlagen, die die Tragik und Einsamkeit der beiden Hauptfiguren passend spiegelt. Diese werden von einem spielfreudigen Duo verkörpert: Auf der einen Seite spielt der hagere Franz Rogowski („Transit“) den in sich gekehrten, tragisch Liebenden – auf der anderen Seite der Österreicher Georg Friedrich den groben, aber unter seiner schroffen Fassade keineswegs gefühlskalten Macho. Abseits der Leere und Routine im von Wärter-Willkür geprägten Alltag hinter Gittern auf drei verschiedenen Zeitebenen zeigt der österreichische Regisseur und Co-Autor Sebastian Meise („Stillleben“, 2011) immer wieder die Unmenschlichkeit im Strafvollzug. Besonders berührend ist eine Szene, als Hans von Viktor auf dem Gefängnishof im Plauderton vom Suizid eines Lovers berichtet wird. Hans bricht emotional zusammen, Viktor umarmt ihn – und beide werden sofort wegen unerlaubter Annäherung getrennt und ins „Loch“ gesteckt. Man kann diese Szene auch als eine Metapher der Angst einer prüden, konservativen Gesellschaft vor progressiver sexueller Selbstbestimmung lesen, die es niederzuknüppeln gilt, so lange sie "von oben" noch kontrolliert werden kann.

GROSSE FREIHEIT ist ein ebenso wichtiger wie leiser und berührender Film mit zwei großartigen Hauptdarstellern, die mit verschiedenen Arten zwanghaften Verhaltens kämpfen - und sich dadurch ähnlicher sind, als sie zunächst glauben. Leider wurde das Gefängnisdrama von Piffl Medien nun leider recht lieblos auf DVD veröffentlicht wurde: Einzig ein paar Trailer finden sich als Bonus auf der sonst sehr puristischen Scheibe – während im 12-seitigen Booklet immerhin ein umfangreiches Interview mit Sebastian Meise nachzulesen ist.

LUTZ GRANERT

Titel: GROSSE FREIHEIT
Label: Piffl Medien
Land/Jahr: Österreich/Deutschland 2021
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 112 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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