MEIN NAME IST KLITORIS

In der modernen, aufgeklärten Gesellschaft, in der Pornos längst im Mainstream angekommen sind, gibt es ein großes Wissen über Geschlechtsteile und sexuelle Befriedigung. Sollte man zumindest meinen. Tatsächlich wird, da stets die männliche Befriedigung im Vordergrund steht, ein Sexualorgan stets vernachlässigt: die Klitoris. Dabei ist das Organ weitaus größer als der kleine, erbsengroße Knubbel über der Harnröhre der Frau – und lohnt im Hinblick auf weibliche Lust die Erforschung.

Die beiden belgischen Regisseurinnen Lisa Billuart Monet und Daphné Leblond betrachten ihre Dokumentation MEIN NAME IST KLITORIS als Lehrfilm für junge Frauen mit der Botschaft, sich abseits der oftmals ungenauen Biologiebücher eingehend mit dem eigenen Körper zu beschäftigen. Das ist wie die kürzlich im Kino gestartete feministische Doku "Red Cunt", welche die Menstruation feiert, durchaus mutig – aber auf Dauer aufgrund der reduzierten Inszenierung in starren Einstellungen etwas ermüdend. So lassen die beiden Filmemacherinnen insgesamt 12 junge Frauen in Interviewsituationen zu Wort kommen, die in der intimen Umgebung ihres Schlafzimmers über unzureichenden Aufklärungsunterricht, ihre ersten Erfahrungen mit Masturbation und Sex, Schamgefühle oder ihr ambivalentes Verhältnis zu Mainstream-Pornos berichten, die ein falsches Bild von Sexualität zeichnen.
Leider wirken die Sprachpausen in der deutschen Synchronisation etwas gekünstelt – und stehen so der Authentizität der jungen Frauen entgegen. MEIN NAME IST KLITORIS kommt aber erfrischenderweise ohne erhobenem Zeigefinger daher – und ist sogar in wenigen Momenten witzig, wenn Animationen vom Innenleben der Vagina und Klitoris berichten oder Frauen stilisierte Klitorides mit als Graffiti an Häuserwände sprayen. Die DVD von Meteor Film enthält als Bonus leider nur den Original- und deutschen Trailer, ein paar zusätzliche (sexualwissenschaftliche) Hintergrundinformationen hätten aber bei der aufklärerischen Absicht gut getan.

LUTZ GRANERT

Titel: MEIN NAME IST KLITORIS
Label: Meteor Film
Land/Jahr: Belgien 2019
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 78 Min.
Verkaufsstart: 10. Dezember

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