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Ralph Sander im Interview

Zum Start von STAR TREK. POPULÄRE IRRTÜMER UND ANDERE WAHRHEITEN haben wir mit Ralph Sander gesprochen. Im Interview erzählt er uns unter anderem, was ihn an STAR TREK begeistert und was er sich für neue Serie gewünscht hätte.

Du bist schon seit frühen Jahren STAR-TREK-Fan. Was begeistert dich so an dem Franchise?
Ich hatte mich schon vor STAR TREK für Science-Fiction begeistert. Ich erinnere mich da an Anthologien aus dem Ravensburger Verlag, zum Beispiel „Das Marsungeheuer“ oder „Das Zeitgericht“, von denen einige vor 1972 erschienen waren. Oder die Monitor-Reihe von Rolf Ulrici, die bei Schneider verlegt wurde. Da erschien ja auch 1970 der erste STAR-TREK-Roman, den ich gelesen hatte, noch bevor die Serie bei uns angelaufen war. Als dann STAR TREK im ZDF startete, war das eine Serie ganz nach meinem Geschmack. Ich habe mir da natürlich keine Gedanken darüber gemacht, dass zur Crew eine Farbige, ein Asiate und ein Russe gehörten. Das war einfach so, das kam mir nicht mal als etwas Besonderes vor. Ich glaube auch nicht, dass bei uns damals irgendein Zehnjähriger „Raumschiff Enterprise“ geguckt hat, weil auf der Brücke kulturelle Vielfalt herrschte. Es war einfach gute Unterhaltung, und es war Science-Fiction. Die damalige Begeisterung hat über die Jahre hinweg angehalten, auch weil zumindest für meinen Geschmack nie etwas wirklich Vergleichbares nachfolgte.

In den 90ern warst du dann nicht nur Fan, sondern ein Held für alle deutschsprachigen Trekkies, denn mit „Das Star Trek Universum“ hast du das umfassendste mittlerweile vierbändige Standardwerk für jeden STAR-TREK-Fan geschaffen. Wie kam es damals dazu?
Dem ersten Band ging ein auf gut Glück vorgeschlagener Artikel über 20 Jahre STAR TREK im Heyne-SF-Jahrbuch voraus, weil ich den Anlass für eine gute Gelegenheit hielt, die Geschichte der Serie zumindest in Kurzform endlich einmal richtigzustellen. In den Zeitungen geisterten ja seit dem Deutschlandstart 1972 die absurdesten Berichte, was einem nur klar wurde, wenn man die amerikanische Sekundärliteratur kannte. Der Artikel gefiel, und da die STAR-TREK-Romane bei Heyne immer neue Auflagen erlebten, fragte ich bei Wolfgang Jeschke (damals Chef der SF-Redaktion) nach, ob man nicht aus dem Artikel ein ganzes Buch mit Episodenführer und allem Drum und Dran machen könnte, weil es so etwas auf Deutsch nicht gab. Der Verlag war einverstanden, fragte an, ob ich das selbst schreiben wollte, ich sagte natürlich Ja, und der Rest ist Geschichte. Da die erste Ausgabe sich hervorragend verkaufte, kam relativ schnell eine aktualisierte Neuauflage, aus der als Nächstes ein Zweibänder wurde, dem dann noch zwei Ergänzungsbände folgten.

Seither hat dich die Franchise nicht mehr losgelassen. Du hast zahlreiche Sachbücher veröffentlicht. Gab es bei der Recherche für dein neues Buch dennoch einen Fakt, der dich überrascht hat?
Bei der Recherche selbst nicht, aber eine Tatsache, von der ich lange Zeit nichts wusste, ist, dass Elvis Presley STAR-TREK-Fan war. Als ich vor ein paar Jahren davon hörte, war der Grundstein für das Buch gelegt, ohne dass mir das selbst klar war. Als ich dann in einer Buchhandlung an einem Tisch vorbeikam, auf dem zig Bücher dieser Reihe "Populäre Irrtümer" präsentiert wurden, war mir klar, dass das Buch da genau richtig untergebracht ist. Das Buch wurde übrigens rekordverdächtig schnell angenommen. Ich hatte dem damaligen Verlagsleiter eine Mail geschickt und die Idee vorgestellt, und keine zwei Stunden später rief er an und gab mir grünes Licht.

Ist die Recherche für ein neues Buch heute im Zeitalter des allgegenwärtigen Internets einfacher oder aufgrund der Fülle von Informationen zunehmend schwieriger?
Die Recherche ist heute wesentlich schwieriger, aber das hat nicht so sehr mit der Fülle der Informationen zu tun. Das wirkliche Problem ist die Vielzahl an unterschiedlichen Darstellungen eines Sachverhalts. Es war natürlich immer schon so, dass zum Beispiel der Produzent einer Serie nach dem Ausstieg eines Schauspielers einen ganz anderen Grund nennt als der Schauspieler selbst. Heute kommen Kommentare vom Regisseur, vom Kameramann, von drei Kollegen, vom Setdesigner, vom Maskenbildner und wem auch immer, die alle etwas anderes gesehen oder gehört haben (oder haben wollen). Das beste Beispiel ist Terry Farrells Ausstieg bei „Deep Space Nine“, zu dem ich heute wohl fünf oder sechs Seiten schreiben könnte, weil jeder etwas anderes sagt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass manche Befragten eine Frage heute anders beantworten als vor 25 Jahren. Welche Version stimmt? Welche kann ins Buch? Soll ich den Leser mit einem Dutzend Varianten und ebenso viel Quellenangaben konfrontieren? Außerdem steht ja selbst dann immer noch die Frage im Raum, ob auf YouTube vielleicht noch irgendwo ein Schnipsel kursiert, in dem der Studioboss in einem Nebensatz eine ganz andere Schilderung liefert, die dann im Buch fehlt.

Welche STAR-TREK-Serie ist aus deiner Sicht die beste?
An Nummer eins steht für mich immer die Classic-Serie, weil mit ihr alles begann. Ganz, ganz dicht dahinter kommt dann aber schon „Deep Space Nine“.

In STAR TREK. POPULÄRE IRRTÜMER UND ANDERE WAHRHEITEN stehen die Originalserie und die ganzen Serien der TNG-Ära im Mittelpunkt. Wie stehst du zu neueren Animationsserien wie „Star Trek: Prodigy“ und „Star Trek: Lower Decks“?
Für das Buch habe ich ganz bewusst das „alte“ STAR TREK gewählt, weil es für mich eine klare Trennungslinie zwischen der Ära Gene Roddenberry/Rick Berman als Produzenten und dem neuen STAR TREK gibt, das von J.J. Abrams (ich nenne ihn ja gern JarJar Abrams) und Alex Kurtzman geprägt wird. Beide sind für mein Empfinden zu sehr auf Effekthascherei aus und interessieren sich zu wenig für die Geschichten, die erzählt werden. Nach allem zu urteilen, was ich quer durch alle Serien und Filme mitbekommen habe, wimmelt es von Verweisen auf das alte STAR TREK, obwohl der Trek-Kosmos groß genug ist, um ganz andere Geschichten zu erzählen, die ohne Bezug auf Dagewesenes begeistern können. Anstatt einen Reboot der Classic-Serie zu machen, anstatt mit Ach und Krach Picards Geschichte weiterzuerzählen, anstatt mit Discovery in die Zeit vor dem Classic-Pilotfilm zurückzukehren und mit „Strange New Worlds“ ebenfalls den Zeitraum zwischen beiden Pilotfilmen auszufüllen, hätte man bei TNG einen Sprung um zwei- oder dreihundert Jahre in die Zukunft machen sollen. Auf diese Weise hätte man ganz neu anfangen können, ohne einen Teil der bisherigen STAR-TREK-Fans zu vergraulen und das Fandom in mehrere Lager zu spalten. 

Zum Abschluss die Standardfrage: Kirk, Picard, Sisko, Janeway oder Archer: Wer ist für dich der „Captain der Captains“?
Entsprechend der Frage nach der besten Serie kommt auch hier Kirk an Nummer eins, einfach weil er Kirk ist. Aber auch hier ist Sisko ihm sehr dicht auf den Fersen.

FLORIAN TRITSCH