STARMAN

Das Leben von legendären Musikern ist bunt schillernd, düster und/oder abgründig – also ideal geeignet für eine Comic-Adaption. Der Berliner Illustrator und Comiczeichner Reinhard Kleist hat diese Nische für sich entdeckt, bisher legte er preisgekrönte Graphic Novel-Biografien zu Johnny Cash, Elvis Presley oder Nick Cave vor – Letztere gar im epischen Umfang von 328 Seiten. Mit STARMAN – DAVID BOWIE'S ZIGGY STARDUST YEARS (dem ersten von zwei geplanten Bänden) zeichnet Reinhard Kleist nun die ersten Jahre der Karriere einer weiteren stilprägenden Musik-Ikone nach.

Dafür hat er passend zum Titel auch ein figürliches Leitmotiv gefunden: Immer wieder taucht ein Mann im Raumanzug in den Panels auf. Dieser begleitet David Robert Jones, genannt Davy schon seit seiner Kindheit, in der er gebannt die Abenteuer von „Flash Gordon“ im Fernsehen verfolgte. Früh wuchs in ihm der Traum, aus dem bornierten Londoner Vorort Bromley auszubrechen und als Musiker durchzustarten – was ihm aber erst gelang, als er sich neu erfand. Aus David Bowie (sein Künstlername) wurde die androgyne, in futuristisch-bunten Fummel gehüllte Kunstfigur Ziggy Stardust, die sich mit ihren „Spiders From Mars“ zu musikalischen Weltenrettern aufschwang. Naheliegend, dass Reinhard Kleist die bejubelten Auftritte dieser glamourösen „Außerirdischen“ in Zusammenarbeit mit Grafiker Thomas Gilke in oftmals großflächigen Panels knallbunt kolorierte, welche den Geist von 70er-Jahre-Comics atmen. Doch insgesamt gestaltet sich die verwendete Farbpalette etwas beliebig: Auch Gespräche mit dem Management abseits von Konzerten sind farbenfrohe Inseln, während nicht nur die graue Vergangenheit, sondern auch Szenen des (aktuellen) Familienlebens mit Frau Angela und Sohn Zowie zumeist in Sepia-Töne getaucht sind.


© Reinhard Kleist/Carlsen Verlag, Hamburg 2021

Glücklicherweise vergisst Reinhard Kleist in STARMAN – DAVID BOWIE'S ZIGGY STARDUST YEARS hinter der strahlenden Musiker-Fassade nicht den Menschen David Bowie. Wird der Tod des Vaters nur beiläufig erwähnt, erhält die paranoide Schizophrenie seines Bruders Terry mehr Raum – und auch Bowies eigene psychischen Probleme werden angedeutet, wenn sein Spiegelbild zu ihm spricht. Reinhard Kleist ist abermals eine vielschichtige Musiker-Biografie gelungen, die zeigt, dass für einen musikalischen Astronauten zwischen einem Abheben zu den Sternen und dem Verglühen in der Atmosphäre nur ein schmaler Grat liegt.

LUTZ GRANERT

Titel: STARMAN – DAVID BOWIE'S ZIGGY STARDUST YEARS
Verlag: Carlsen
Autor/Zeichnungen: Reinhard Kleist, Thomas Gilke (Kolorierung)
Erscheinungsform/Seitenzahl: Hardcover, 176 Seiten
Verkaufsstart: veröffentlicht

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