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Cineastische Sternstunden (fast nur) aus dem Archiv - Vom Wettbewerb zu Berlinale Special

Seite 2 von 3: Vom Wettbewerb zu Berlinale Special

Beim Online-Ticketing blieben Glücksgefühle aus: Zwei (!) Minuten nach Freischaltung des Kontingents war der indonesische Knast-Horror GHOST IN THE CELL bereits ausverkauft – keine Chance. Vielleicht noch etwas mehr Genre-Kino wagen? In der Sektion Berlinale Special wurde mein persönlicher Favorit unter den zeitgenössischen Filmen gezeigt:

MONSTER PABRIK RAMBUT (SLEEP NO MORE)
Unser Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird sich freuen: Die Angestellten einer Fabrik für Modepuppen schrubben hier um die Wette Überstunden – bis sie tot umfallen. Als ihre Mutter das Zeitliche segnet, heuern ihre Töchter Putri und Ida ebenfalls in der Fabrik an, um den Tod aufzuklären. Ihr Bruder Bona trennt sich immer wieder Ohren und andere Extremitäten ab, um die Versicherung zu betrügen – wächst schließlich alles wieder nach. Und Übermüdung an einem Nagelkissen bereitet suggestiven Phantomschmerz – bevor zünftige, gänzlich handgemachte Gore-Einlagen auch eingelöst werden. Insbesondere das große Finale mit einem haarigen Dämonen, der durch die Industriehallen wirbelt, ist urkomischer Horror-Trash in Reinkultur. Ein grelles, zuweilen erfrischend cartooneskes Spektakel aus Indonesien, das trotz oder gerade wegen hohem Ekelfator einfach Laune macht.
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DIE BLUTGRÄFIN
Mein persönlicher Flop des Festivals: Eine ebenso grelle Horrorkomödie, bei der gar nichts passt. Eine uralte Blutgräfin (divenhaft-süffisant: Isabelle Huppert) kommt nach Wien, um einem Buch auf die Spur zu kommen, welches die Macht besitzt, Vampire sterblich zu machen. Der hauchdünne Plot wird ausgebremst von zwei exaltierten Vampirforschern, die gerade zum Kongress mit dem Thema „Der Vampir und seine Identität im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“ (eine plakative Anspielung auf den berühmten „Aura“-Aufsatz von Walter Benjamin) angereist sind, einer Stadtführung mit traditionell gekleideter Touristengruppe, trotteligen Mordermittlern und einem abstinenten Verwandten der Blutgräfin, der sich lieber an frischen Buchteln als an Menschenblut labt. Auch Lars Eidinger ("Sterben") als dessen distinguiert daherschwafelnder Therapeut kann diesen mit knallbunten Kostümen und Conchita Wurst (die ihren Grand Prix-Gewinnersong "Rise Like a Phoenix" schmettern darf)  in mehreren Rollen geschmückten Blödsinn nicht mehr retten. Trash-Theater auf der großen Leinwand – unfassbar, dass Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zu diesem anstrengend-albernen Kuriosum die Dialoge beigesteuert hat.

Berlinale Classics und andere bleibende Momente
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