04. Juli 2026
Schau, Schau: Shonen
In Japan gibt es die „Shonen Jump“ und viele andere Formate, die wöchentlich die neuesten Kapitel laufender Serien auf den Markt bringen – telefonbuchdick und mit einer extrem hohen Auflagendichte. In Deutschland gab es Anfang der 2000er-Jahre Versuche von Carlsen, diese Idee zu replizieren. Dazu gehörten das Magazin „Banzai!“, das sich auf Titel des Shōnen-Bereichs konzentrierte, und das Pendant „Daisuki“ für den Shōjo-Bereich. Andere Verlage versuchten Ähnliches, aber keines der Magazine existiert mehr – trotzdem gibt es einen neuen Versuch, diese Form einmal mehr in Deutschland zu etablieren.
Das Machwerk MANGA ISSHO vom Hamburger Verlag Altraverse schließt diese Lücke – und das auf eine andere Weise als gedacht, und dann doch wieder nicht. Denn statt japanischer Werke setzt MANGA ISSHO auf europäische Geschichten – quasi ein Werk im japanischen Stil mit gänzlich europäischen Inhalten. 336 Seiten, 18 europäische Autoren und Autorinnen sowie 14 verschiedene Reihen – all das fand sich im ersten Ableger, und die Nachfolgemagazine sind nicht weniger gut gefüllt.
Die Geschichten reichen von Fantasy wie „Das Geheimnis von Scarecrow“ oder „Die Braut der Sirenen“ bis hin zu romantischen Boys-Love-Erzählungen wie „Bloodmancer“ – es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und anders als bei den ersten Gehversuchen solcher Formate gibt es die in MANGA ISSHO gezeigten Werke noch nicht als Manga. Erst wenn genug Kapitel beisammen sind, veröffentlicht Altraverse diese im gebundenen Manga-Format – so bereits geschehen mit dem Titel „Das Geheimnis von Scarecrow“. Auch hier macht es Altraverse wie die Japaner: erst die Veröffentlichung im Magazin, danach als Manga.
Eines macht der Hamburger Verlag anders und besser als seine japanischen Brüder. Die Qualität der MANGA ISSHO ist nicht als Wegwerfprodukt konzipiert, sondern für das Sammelregal. Das Papier ist dick und schimmert nicht auf der Rückseite durch, was bei der japanischen „Shonen Jump“ durchaus ein Problem ist – zumindest für das verwöhnte deutsche Auge. Zudem sind die Seiten durchgängig einfarbig. In der „Shonen Jump“ hat hingegen jeder Manga eine andere Farbcodierung, damit das gewünschte Werk schnell gefunden werden kann – „One Piece“ ist grün, was allerdings absolut keine Leseempfehlung sein soll. Für alle, die auf der Suche nach etwas abseits der regulären Manga sind und gerne in verschiedene Welten eintauchen – und das am Stück –, ist MANGA ISSHO eine Empfehlung.
Zudem unterstützen Käufer damit eine lebendige und stetig wachsende Szene rund um europäische Manga und ihre Erschaffer, die nicht allein auf japanische Tradition setzen, sondern europäische Einflüsse mit japanischen vermischen – oder sie ganz weglassen und stattdessen die Kultur ihres Heimatlandes in ihre Werke verweben.
Mehr Informationen findet Ihr auf der offiziellen Internetseite von MANGA ISSHO.
Verlag: altraverse
Seiten: 336
Auch interessant:

Ein wunderbares Malbuch
Mit dem POP-MANGA-MALBUCH – DRACHEN UND ANDERE MAGISCHE WESEN entführt die bekannte Künstlerin Camilla d’Errico ihre Zeichenwilligen in eine fantastische Welt voller Drachen, Fabelwesen und magischer Kreaturen. Auf über 70 Ausmalseiten treffen niedliche Charaktere auf imposanten Drachen, verspielte Muster auf knuffige Fantasy-Szenen.

AnimagiC 2026 – Ein Rückblick
In Mannheim haben sich einmal mehr Cosplayer*innen, Anime-Fans, Manga-Leser*innen und Gaming-Enthusiast*innen aus ganz Europa versammelt, um gemeinsam Manga, Anime und japanische Kultur zu feiern. Dabei durften die zahlreichen Panels, Shows und Aktionen natürlich nicht fehlen.

Diesen Stand solltet Ihr auf der AnimagiC nicht verpassen
Wer auf der AnimagiC unterwegs ist und auf der Suche nach neuen Manga-Highlights ist, sollte dem Stand von altraverse unbedingt einen Besuch abstatten. Warum, lest Ihr hier.