Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz

Burhan Qurbani ist ein mutiger Filmemacher. Nachdem er vor einigen Jahren in „Wir sind jung. Wir sind stark.“ die trostlose Nach-Wende-Situation in Rostock-Lichtenhagen unmittelbar vor den Ausschreitungen einer Siedlung von vietnamesischen Vertragsarbeitern in nüchternen Schwarz-Weiß-Bildern aufarbeitete, nun BERLIN ALEXANDERPLATZ. Eine dreistündige Verfilmung des gleichnamigen Romans von Alfred Döblin, der die Handlung nicht nur von 1929 in die Gegenwart verlagerte, sondern auch den Protagonisten, einen kleinkriminellen (deutschen) Arbeiter, austauschte gegen einen illegal in Deutschland lebenden Flüchtling.

Wir folgen also Francis (Welket Bungué), den es nach einer verlustreichen Überfahrt über das Mittelmeer nach Deutschland verschlägt. Hier macht er Bekanntschaft mit dem zwielichtigen Drogendealer Reinhold (optisch mit „Rotzbremse“ wie aus den 90ern gefallen: Albrecht Schuch) und lässt sich von ihm für seine Geschäfte einspannen. Mit zunehmenden Deutschkenntnissen steigt Francis in Reinholds Hierarchie schnell auf. Doch diese vermeintliche Freundschaft hat fatale Konsequenzen, gerade als mit Sexarbeiterin Mieze (Jella Haase, bekannt auch aus den „Fack ju Göhte“-Teilen) Francis' große Liebe ins Spiel kommt...

Trotz seiner stattlichen Länge entfaltet BERLIN ALEXANDERPLATZ durch erschütternde Rückblenden und die neonfarbenen Einblicke in die Berliner Halbwelt der Gangsterhöhlen und Strip-Lokale eine nahezu sogartige Kraft, der man sich nicht entziehen kann. Den etwas entrückt wirkenden Voice-Over von Jella Haases Figur, die auf Francis' Trip ins Verderben hinweist, hätte es da nicht gebraucht. Burhan Qurbani, der auch am Drehbuch mitschrieb, sieht sich dabei wie Döblin einer Sozial- und Milieukritik verpflichtet, richtet aber den Fokus anklagend auf die Tücken der Migrationspolitik. Ein aufwühlender, bitterer Film, der über die gesamte Laufzeit nicht mehr loslässt. Schade, dass der DVD jegliche Extras fehlen.

LUTZ GRANERT

Titel: BERLIN ALEXANDERPLATZ
Label: Universal
Land/Jahr: Deutschland/NL/F/Kanada 2020
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 176 Min.
Verkaufsstart: 26. November

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