Undine

Undine

Eigentlich ist UNDINE für Christian Petzold ein Tabubruch. Als Vertreter der Berliner Schule widmete sich Petzold bisher zutiefst dem Realismus verschriebenen Filmen, die ganz gewöhnliche Protagonisten in ihrem Alltag vor dem Hintergrund deutscher Geschichte inszenierten. UNDINE macht nun aus seiner phantastischen Herkunft aus einer deutschen Sage um eine Nymphe, die erst durch Heirat eine Seele erhält und Untreuen den Tod bringt, keinen Hehl, verlegt diese aber mitten ins geschäftige Berlin der Gegenwart.
Nachdem die Beziehung zwischen der promovierten Historikerin Undine (Paula Beer) und Johannes (Jacob Matschenz) gescheitert ist, tritt der schüchterne Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) in ihr Leben. Die beiden verlieben sich ineinander und Christoph nimmt Undine mit auf seine faszinierenden Abenteuer unter Wasser. Doch nach einem Arbeitsunfall wird der eifersüchtige Christoph für hirntot erklärt – und Undine will sich an Johannes rächen...

Christian Petzold, der bereits bei seiner preisgekrönten Anna Seghers-Adaption „Transit“ (2018) mit Franz Rogowski (Interview im multimania #78) und Paula Beer zusammenarbeitete, spielt immer wieder mit Undines Element, dem Wasser. Undine und Christoph kommen sich erstmals in den Scherben eines zerbrochenen Aquariums in einem Café näher; eine kleine Taucherfigur wird zu einem Talisman und Mittler zwischen der Welt der Menschen und der Wassergeister. Die an Originalschauplätzen gedrehte Liebesgeschichte erhält damit eine romantisch-poetische Dimension, die aber nie zu sehr in den Vordergrund rückt. Denn Petzold versäumt es nicht, Undine ausführlich über die Berliner Stadtentwicklungsgeschichte berichten und Christoph bei Tauchgängen gruselige Erfahrungen – etwa mit Gunther, dem Wels – machen zu lassen. Fernab von Kitsch überzeugt UNDINE durch komplexe Figuren, zu denen man viel Empathie aufbaut. Großes deutsches Kino!
Lohnenswert unter den Extras der DVD: Die Pressekonferenz zur Premiere auf der Berlinale und ein Interview mit Christian Petzold im beiliegenden, 16-seitigen Booklet. Diese bergen einige nützliche Hinweise zur Deutung seines Films und Einblicke in visuelle Gestaltung und die Dreharbeiten.

LUTZ GRANERT

Titel: UNDINE
Label: Piffl Medien
Land/Jahr: Deutschland/Frankreich 2020
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 86 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

IMPRESSUM | DISCLAIMER |DATENSCHUTZ| MEDIADATEN
Created with HTML5 & CSS3 by HARD MEDIA

NOTE! This site uses cookies and similar technologies.

If you not change browser settings, you agree to it. Learn more

I understand