Antiporno

Antiporno

Kyōko ist ein aufgehender Stern am Künstlerhimmel. Als Malerin und Schriftstellerin feiert sie Erfolge, dennoch plagen sie Selbstzweifel. Ihre Assistentin Noriko steht vor ihrer Haustür, um sie auf einen anstehenden Interviewtermin für ein Lifestyle-Magazin vorzubereiten. Als die Herausgeberin der Zeitschrift nebst Entourage anklopft, schwingt Kyōkos Verdruss in Grausamkeit um. Zunächst muss sich Noriko nur herumkommandieren lassen, doch dann kommt es zu handfester Gewalt bis hin zu einer angedeuteten Vergewaltigung…

„Und Cut!“, ruft der Regisseur und zeigt damit gleich den ersten „Schnitt“ in der Geschichte. Und es wird nicht der Letzte bleiben, denn Sono-typisch driftet die Handlung, die verschiedene Genregrenzen sprengt, von einem Familiendrama ab in eine Welt, in der Wirklichkeit und Traum verschmelzen, die aber dennoch in ihrer Gesellschaftskritik einen realen Kern aufweist. Wer Sono kennt, der weiß, dass er Genreschubladen vergessen kann und dass selbst die seichteste Story eine doppelbödige, wenn auch oft nicht allzu subtile Sozialkritik bietet.

So ist es auch mit ANTIPORNO. Ursprünglich war der Film Teil einer von Nikkei produzierten Reihe, die das Genre des „Roman Porno“ aus den Siebzigern und Achtzigern wiederbeleben sollte. „Roman Porno“ ist die Abkürzung für „Romantic Pornography“, ein Untergenre des Pinku eiga, wobei es sich, vereinfacht gesagt, um handlungsfokussierte Filme mit detaillierten Erotikszenen handelt. Doch in ANTIPORNO geht es um mehr als Erotik und Sex. Es geht um die Frage nach der Rolle der Frau in der (japanischen) Gesellschaft.

Schon zuvor hat Sono, der die Skripte zu den meisten seiner Filme selbst verfasst, in seinen Filmen starke Frauenrollen als führende Figuren integriert und dabei feministische Themen angesprochen. Oftmals ging es dabei um sexuelle Diskriminierung sowie die Befreiung der weiblichen Sexualität weg von männlichen Erwartungen. So war es zuvor mit „Guilty Of Romance“ und „Tag“, und auch ANTIPORNO schlägt in eben diese Kerbe und deutet dabei die Botschaft so klar wie selten an. Darüber hinaus wird durch den „Film im Film“ dem Zuschauer die Rolle des voyeuristischen Regisseurs zugeteilt. An ANTIPORNO sollte man am besten frei von Erwartungen herangehen – und wird dann mit einem Werk belohnt, für das das Medium Film erschaffen wurde.

TIMO KLEMMER


Titel: ANTIPORNO

Regie: Sion Sono

Label: Busch Media Group

Land/Jahr: Japan 2016
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 73 Min. (DVD / ca. 76 Min. (Blu-Ray)
Verkaufsstart: 16. Oktober

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