Boxing Helena

Boxing Helena

Traumatisierter Chirurg amputiert draller Zicke Beine und Arme, um ihre Liebe zu erzwingen. Nein, wir haben hier keine plumpe BILD-Schlagzeile aufgegriffen, sondern schreiben über ein ambitioniertes Filmprojekt namens BOXING HELENA, das Anfang der 90er Jahre in Hollywood die Runde machte. Jennifer Chambers Lynch, Tochter des Regie-Querkopfs David Lynch („Blue Velvet“, „Mulholland Drive“) bereitete ihre erste Regiearbeit vor – und zog dabei die Aufmerksamkeit namhafter Hollywood-Stars auf sich.


Doch Madonna, Kim Basinger (sie wurde sogar auf Schadensersatz im Millionenhöhe verklagt) und Ed Harris stiegen nacheinander aus dem Projekt aus. Ob der laue Erotikthriller BOXING HELENA durch diese Star-Power ein besserer Film geworden wäre, darf ernsthaft bezweifelt werden, denn die simple Story zieht sich wie Kaugummi und gerade die platten Figuren geben gar nichts her. Julian Sands („Warlock – Satans Sohn“) als Chirurg mit Mutter-Komplex läuft – warum auch immer – in 80% des Films mit Wattebausch im linken Ohr herum und agiert mit ahnungsloser Miene wie ein großes, einfältiges Kind. Sherilyn Fenn (bekannt auch der TV-Serie „Twin Peaks“) als Helena-Notbesetzung nervt mit ihrem ständigen fotzigen Rumgezicke, so dass man als Zuschauer nach der Amputation ihrer Gliedmaßen kein Mitleid empfindet. Einzig Bill Paxton mit Patrick Swayze-Gedächtnis-Vokuhila als Helenas aufbrausender Macho-Freund, der in seiner engen Lederhose eindeutig Rechtsträger ist, sorgt für wirkliches Trash-Vergnügen.

Ob sich Jennifer Chambers Lynch bei den vielen Softsex-Szenen mit Spitzen-Unterwäsche in BOXING HELENA bei Werbespots von „Victoria‘s Secret“ bediente oder umgekehrt, bleibt ein ungeklärtes Rätsel bei einem Film, von dem letztlich nur eine Szene in Erinnerung bleibt. Getaucht in eine sinnliche High Key-Beleuchtung vergnügt sich der spargelige Nackedei Julian Sands unterlegt mit dem Song „Sadeness“ von Enigma in seinem prunkvollen Wohnzimmer mit einer Prostituierten, während die entarmte und entbeinte Helena voyeuristisch zuschaut. Das hat schon Stil – der Rest der absurden Sadomaso-Fantasie jedoch nicht, die das Label Great Movies (welch Euphemismus bei diesem Machwerk!) kürzlich in Deutschland nun erstmals im korrekten Widescreen-Bildformat, aber abseits vom Trailer ohne Extras (nur) auf DVD veröffentlicht hat.

LUTZ GRANERT

Titel: BOXING HELENA
Label: Great Movies
Land/Jahr: USA 1993
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 101 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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