Captain Marvel

Captain Marvel

Im nunmehr 21. Filmbeitrag zum MARVEL Cinematic Universe (MCU) steht in „Captain Marvel“ erstmals eine Frau im Fokus – und noch dazu eine der mächtigsten Superheldenfiguren des ganzen Universums.

Doch das auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnende Regieduo Anna Boden und Ryan Fleck („Half Nelson“) entwickelt daraus keine eigene Ideen. Irgendwo zwischen bemühtem Zeitkolorit und Comic-Anspielungen fühlt sich das Actionspektakel so an, als habe man das alles schon einmal irgendwo und vor allem einen Tick besser gesehen. Product Placement von Nerf-Guns, Stöbern in einer „Blockbuster“-Videothek oder Altavista-Suchen auf Windows 95 zu Musik von Nirvana wirken gegenüber Spielbergs liebevoll-nostalgischer 80er-Jahre-Liebhaberei in „Ready Player One“ wie willkürlich zusammengeklaubte 90er Jahre-Retromomente. Und auch „Superman“, seit jeher auch in einem rot-blauen-Kostüm unterwegs, hat wie die Heldin schon schweres Geschütz mit reiner Muskelkraft zurück in den Orbit geschleudert.

Eine Oscarpreisträgerin wie Brie Larson (ausgezeichnet für das Drama „Raum“) hätte es für die Titelrolle als unter Amnesie leidende Ex-Airforce-Pilotin namens Carol Danvers nicht gebraucht. Nach einem Flugunfall ist sie mit übermenschlichen Kräften ausgestattet – und prügelt, schießt, rennt oder fliegt alsbald mit grimmig-entschlossenem Einheits-Gesichtsausdruck durch die künstlichen Kulissen. Dabei werden ihr auch bei intimen Szenen, in denen sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird, keine ernsthaften schauspielerischen Fähigkeiten abverlangt. Dasselbe gilt für die weiteren schauspielerischen Hochkaräter Annette Bening („American Beauty“) als mysteriöse Ziehmutter von Carol oder Jude Law als rüder Alien-Krieger Yon-Rogg. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt noch Samuel L. Jackson als Nick Fury, der – wie zuletzt Michael Douglas in den „Ant-Man“-Filmen – einer fast schon lächerlich glatten digitalen Verjüngungskur unterzogen wurde und mit ein paar coolen Sprüchen punktet. Er erhält, weil „Captain Marvel“ auch die Ursprünge der „Avengers“-Heldentruppe erzählt, dieses Mal erstaunlich viel Screentime. Fans des MCU erfahren übrigens, warum er später eine Augenklappe trägt und wie es in „Avengers: Endgame“ potenziell weitergeht. Alle anderen werden dieses austauschbare Highspeed-Actionspektakel mit einer immerhin ganz netten „Aufstehen und weitermachen“-Montage, in der tatsächlich kurz feministischer Widerstand durchschimmert, im Nu wieder vergessen haben.

LUTZ GRANERT

Titel: CAPTAIN MARVEL
Label: Disney
Land/Jahr: USA 2019
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 124 Min.
Kinostart: 07. März 2019

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