El Bar

Eingeschlossen mit Nervensägen

Wer das Lokal verlässt, stirbt. So einfach, so effektiv ist die Ausgangssituation von EL BAR - FRÜHSTÜCK MIT LEICHE. Dem spanischen Kult-Regisseur Álex de la Iglesia gelingt mit seiner Heimkino-Premiere eine weitere sehenswerte wie unvorhersehbare Horror-Groteske.

Der geneigte Misanthrop wusste es schon immer: Mitmenschen können gewaltig nerven. Ob sie nun an der Kasse mit dem Zählen ihres Kleingelds nicht fertig werden, am Tresen ihre Bestellung in allen Details ausbreiten oder einen ungefragt in Gespräche verwickeln. Insgeheim ahnt man: Gemeinsam mit dieser verhaltensauffälligen Bevölkerung möchte man lieber nicht eingeschlossen sein – besonders nicht dann, wenn der Handyempfang ausfällt! Doch genau das passiert im neusten Film des spanischen Regisseurs Álex de la Iglesia, EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE.

Eben noch eine ganz normale Bar mitten in Madrid, mit ganz normalen Menschen (was auch immer das heißen mag), werden die Gäste durch Schüsse aus ihrer Alltagslethargie gerissen. Ein Gast, getroffen von einem versteckten Schützen aus dem Hinterhalt, bricht tot auf der Straße zusammen. Personal und Gäste sind schockiert, und als die herbeigeeilte Hilfe ebenfalls dem Schützen zum Opfer fällt wird klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder die Bar verlassen und selbst zum Opfer werden oder sich in der Bar verschanzen, in der Hoffnung auf baldige Rettung. Als diese jedoch ausbleibt, eskaliert die Situation – denn Angst, Panik und Überlebensinstinkt drohen diese Schicksalsgemeinschaft zu überwältigen. Plötzlich erscheinen die anderen als Feind, und die immer unerklärlicher werdende Situation bringt das Fass schließlich zum Überlaufen: Eine blutige Eskalation um einen Ausweg aus dieser Falle bricht sich Bahn…

Álex de la Iglesia – berühmt-berüchtigt für seine Thriller- und Horror-Grotesken wie „Perdita Durango“ und „Mad Circus“ – gelingt mit EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE ein weiterer Höhepunkt seines filmischen Schaffens. Die prominent besetzte und pechschwarze Thriller-Satire überrascht nicht nur durch eine rasante und unvorhersehbare Handlung, sondern auch mit einer klaren Linie, die das unfassbare Geschehen konsequent und schnörkellos erzählt. Der Film ist ein gelungener Genremix, mit dem Iglesia als Enfant terrible des spanischen Kinos neue Akzente setzt und sich zugleich treu bleibt. Nur eines sollte man als Zuschauer nicht vergessen: Der Feind lauert nicht nur im Hinterhalt, sondern auch als Jedermann direkt vor Deiner Nase.

MARTIN REPOHL

Titel: EL BAR – FRÜHSTÜCK MIT LEICHE
Label: Koch Media
Land/Jahr: Spanien 2017
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 98 Min.
Verkaufsstart: 24. August