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Die vergangenen KT Racing-Jahre waren geprägt von stetigen Verbesserungen. Mit jedem weiteren Release konnte sich die Serie ein Stück weit steigern und das trotz des jährlichen Rhythmus von Neuerscheinungen. Abermals hat sich das französische Entwicklerstudio ins Zeug geworfen und mit WRC Generations ein vollgestopftes Rallye-Abenteuer kreiert. Mit diesem Ableger ist der schiere Umfang von Vorgänger WRC 10 noch einmal getoppt worden. Denn dort hat uns besonders der tiefgreifende Historien-Modus die Kinnlade runterklappen lassen. Dort durften wir mit altehrwürdigen Monsterboliden über Schotter und Stein, Schlamm und Wüste oder auch Schnee und Eis Rennzeiten hinterherjagen. Die Videospiel-Adaption hat es nahezu perfekt verstanden zwischen der Moderne und Historie Abwechslung für uns Fahrer zu bringen.

Schwieriges Unterfangen

Mit WRC Generations wollten die Entwickler quasi ein Best-of der gesamten Serie schaffen. Im Ergebnis wurde ein ziemlich fettes Paket geschnürt, das die gesamte Bandbreite des Rallyesports abdeckt. Bei den Strecken, Fahrzeugen und Modi werden keine Wünsche offengelassen. Sage und schreibe 49 Teams bei 13 Rallyes der aktuellen Saison teilen sich in die Meisterschaften von WRC1, WRC2 oder WRC3 sowie der Juniorenklasse JWRC auf. Über 80 Fahrzeuge, ganze 37 sind legendär, können über insgesamt 165 Etappen geschleudert werden. In insgesamt 22 Ländern macht der Rennkalender halt. Ein wahr gewordener Traum für Zahlenfetischisten. Da sollte für jeden Rennspielfan etwas dabei sein. WRC Generations ist damit nicht nur das erste Rallye-Spiel, das Hybrid-Autos mit samt seinen Veränderungen im Wettbewerb beinhaltet, sondern enthält auch alle Inhalte, die in den vorherigen Spielen der Reihe erschienen sind.

Erfreulich ist, dass sämtlicher Spielinhalt vom Release an verfügbar ist. Die Franzosen planen keine weiteren Fahrzeuge oder Wertungsprüfungen als DLC nachzuliefern. Ebenso angenehm hervorzuheben, dass es keinen marktüblichen Season-Pass geben wird. Alles kann durch die verfügbaren Modi freigeschaltet werden. Lediglich als Vorbesteller erhalten wir gewisse Extras. Wer WRC Generations schon bereits auf Steam und Epic vorbestellt hat oder in den ersten zwei Wochen nach Release erwirbt, erhält den legendenumwobenen Peugeot 206 WRC vom zweimaligen Rallye-Weltmeister Markus Grönholm aus dem Jahr 2002 als Bonus. In der Fully-Loaded-Version erhalten wir darüber hinaus den Citroën C4 WRC vom Rekordweltmeister Sebastien Loeb und eine zusätzliche Lackierung für umtriebigen Romain Dumas Porsche 911 GT3 RS RGT. Zudem ist in der ausschließlich digital erhältlichen Fully Loaded Edition Fully ein Karriere-Starterpaket mit Karten erfahrener Teammitglieder für den Karrieremodus und drei Monaten kostenlosem Zugang zu WRC+, der offiziellen Streaming-Plattform der FIA World Rally Championship.

Hybrid-Ära startet in der WRC

Höher, weiter und vor allen Dingen schneller ist die Divise des Rennsports. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist, weswegen die realen Rennsportwettbewerbe wie der Rest der Welt nachhaltiger werden muss. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die World Rallye Championships. Mit der aktuellen Saison wurde ein neues Rally1-Regelment ausgegeben. Das Augenmerk fiel auf den Antrieb, der nunmehr hybrid befeuert wird. Die Motor-Generator-Unit, kurz MGU, besteht nunmehr aus einem leistungsstarken 100 kW Elektromotor und einen 1,6-Liter-Turbo-Motor mit kräftiger 280 kW Leistungsausgaben. In Summe reiten knapp über 500 Pferdestärken über die Pisten.

Das hat selbstredend Einzug ins Spiel erhalten. Die KT Racing Macher haben dabei ein möglichst realistisches Fahrverhalten mit leicht abgeänderter Fahrphysik programmiert. Die neue Technik hat dadurch einen erheblichen Effekt auf das Spielerlebnis. Vor jeder Etappe entscheiden wir uns für eine von drei verschiedenen Einstellungen für den Motor, die wir klug nach den Gegebenheiten auf Streckenlayouts und Untergründe aussuchen. Dabei kann gewählt werden, ob wir mit mehr Kraft für einen kurzen Zeithorizont abrufen wollen oder doch konstante gleichbleibende PS. Die Hybrid-Motoren bringen jede Menge frisches Spielgefühl an den Start. Ebenso spielerisch wird der verbaute Akku mit neuer Energie versorgt. Das Zauberwort ist Rekuperation und heißt übersetzt, dass wir mit Bremsenergie die Batterie laden können. Der Einsatz der Handbremse um mittels Lastverlagerung schnell um die Kurven zu kommen, bringt dem Akku-System herzlich wenig – hin und wieder so richtig in die Eisen zu steigen dagegen schon.

Alles im Griff

Die Hybrid-Autos sind allerdings der Königsklasse vorbehalten. Mit den weiteren Meisterschaften der WRC2 und WRC3 freuen wir uns über den klassische Rallyesport wie wir ihn seit jeher kennen. Statt es lieblos wie im letzten Jahr umzusetzen, haben sich KT Racing ebenfalls nicht lumpen lassen und das Fahrgefühl merklich aufgebohrt. Wir haben es bereits geschildert, der irrsinnige Umfang hält für jeden Spielertyp etwas parat. Als Einzelspieler haben wir jede Menge Aufgaben und mit dem mächtigen Karrieremodus aller Hand zu tun. Erneut ist der Karrieremodus das Herzstück eines jeden Solisten. In der Einzelspielerkampagne kümmern wir uns nicht nur um uns als Fahrer, sondern dürfen gleichzeitig einen ganzen Stall voller Mechaniker betreuen. Während wir im Hauptsächlichen unsere Leistung auf die Strecke bringen müssen, haben wir das gesamte Team zu leiten. Personalmanager fühlen sich hier pudelwohl. Die sortieren fähige Mitarbeiter von Fallobst aus und achten in feinster Personalentwicklungs-Manier, dass die Mitarbeiter ausreichend zu Ruhezeiten kommen. Sämtliche Punkte, die wir uns in den Etappen verdienen, stecken wir sogleich in die Forschung und Entwicklung unseres Rennflitzers. Wer keine Lust auf Team-Management hat, der startet einfach im Saison-Modus. Dort können wir auf eben jenes verzichten und sind nur als Fahrer beschäftigt.

Mit Gamepad und Lenkrad haben wir die volle Kontrolle. WRC Generations kann auch spielerisch überzeugen. Unsere Eingaben werden nachvollziehbar auf den unterschiedlichen Fahrbahnen simuliert. Wir spüren förmlich die Diskrepanz zwischen Schlamm und Eis oder nacktem Asphalt, dabei sollten wir aufpassen, wenn die Strecke ihre Beschaffenheit plötzlich ändert. Dann haben wir unseren Fahrstil entsprechend anzupassen. Die Fahrphysik ist dabei realistisch gehalten und stellt uns als Spieler vor die eine oder andere knackige Herausforderung. Gerade für die Playstation-Fassung kommen mit dem DualSense-Controller spannende Funktionen hinzu. Die adaptiven Trigger machen einen hervorragenden Job, indem sie mit ihrer besonderen Haptik und Rückmeldung ein immersives Spielgefühl vermitteln. Da kann es schon mal ordentliche Rütteleinlagen geben, wenn wir mit voller Kraft die Bremsen und damit das Antiblockiersystem (kurz ABS) aktivieren. Ein ebenso nettes Detail ist der kleine Lautsprecher, der im Controller verbaut ist - so hören wir einschlagende Steine vom Schotter oder auch das Krächzen des Getriebes. Damit aber auch Anfänger ihren Spaß haben, können wir optional Fahrhilfen aktivieren. Das ABS oder auch die Traktionskontrolle helfen beim Meistern der einzelnen Prüfungen.

Ein harter Wettkampf

Haben wir die Karriere erfolgreich hinter uns gelassen, können wir uns online unter Beweis stellen. Neben bekannten Modi wie Onlinelobbys oder Multiplayer-Meisterschaften hat WRC Generations einen ganz neuen kompetitiven Modus parat. Erstmals wird ein sogenannter Ligamodus das Herz eines jeden Wettkämpfers höherschlagen lassen. Er wird in die Kategorien Solo und Team unterschieden: Im Einzel-Modus wird die Platzierung auf der Rangliste durch die erzielten Punkte bestimmt. Dabei legt die Summe, der von allen im Team erzielten Punkte, die Platzierung des Teams fest. Der Ligamodus ist ein plattformübergreifendes Feature, bei dem wir versuchen, den höchsten Rang innerhalb der verschiedenen Ligen zu erklimmen. Die Saisons werden in Wochen unterteilt, wobei es eine einwöchige Qualifikationsphase und zehn Wettkampfwochen sind, in denen tägliche und wöchentliche Herausforderungen von uns bestreitet werden können. Am Ende einer Saison werden die drei besten Teams und Einzelpersonen der Welt in die Hall of Fame der Liga aufgenommen.

Die optische Präsentation steht dem vorgenannten in nichts nach. Die Fahrzeuge sind realitätsnah im Spiel dargestellt und strotzen vor Details. Die Strecken sind nicht nur herausfordernd gestaltet, sondern schön anzusehen. Je nach Sonnenstand, Tageszeit und Witterungsbedingungen fängt uns das Spiel mit unterschiedlichen Stimmungen ein. Die Akustik beschränkt sich zwar auf die Fahrgeräusche, bringen aber den Spielfluss voran. Die einprasselnden Kieselsteine vom Schotter haben wir bereits beschrieben, aber auch die satten Motorengeräusche hinterlassen einen positiven Eindruck.

Mit WRC Generations hat KT Racing einen starken Abschluss gefunden. Die WRC-Franchise war damit in guten Händen, an dem kein authentischer Rallye-Fan vorbeikommt. Besonders loben möchten wir die DLC-Politik. Das Spiel erscheint mit vollständigem Umfang und das vom Start weg. Die vielen Spielmodi lassen keine Wünsche offen. Mit den neuen Hybrid-Autos sowie den Mehrspieler-Varianten ist auch mit dem neuesten Serienableger WRC Generations abermals eine Menge zu erleben.

Marcus Rätzke

Publisher: Nacon
Plattform: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch
USK: ohne Altersbeschränkung
Veröffentlichung: veröffentlicht