Schöne neue Welt

Schöne neue Welt

Alle Menschen eines Weltstaats leben in Frieden und Wohlstand, praktizieren Partnertausch und wenn ihnen verdrießlich wird, nehmen sie eine Droge zu sich. SCHÖNE NEUE WELT zeigt eine pervertierte Gesellschaft, in denen Menschen durch „emotionales Engineering“ jegliche tiefe Gefühlsregungen fremd sind. Hierin wirkt John Savage wie ein Fremdkörper. Nach einem Unfall seiner Mutter Linda wurde er von Indianern traditionell aufgezogen und stellt mit seiner Rückkehr zu seinem Vater, seines Zeichens Direktor vom City-Brüter und Konditionierungscenter in London, die geltende Weltordnung nach Ford infrage...

Während George Orwell in seiner Dystopie „1984“ den faschistischen Überwachungsstaat skizzierte, zeichnet Aldous Huxley in seiner Utopie SCHÖNE NEUE WELT eine Totalitarismus-Vision, in der Menschen künstlich geschaffen werden. Nach einer zuweilen recht freien Übertragung ins Deutsche von Herberth E. Herlitschka aus dem Jahr 1932, der etwa den Handlungsort von London nach Berlin verlegte, ist die Neuübersetzung von Uda Strätling aus dem Jahr 2013 deutlich näher am Original, das trotz seines Status als einflussreicher Klassiker mit zahlreichen Problemen zu kämpfen hat. Huxleys Charaktere bleiben hinter ihrer Oberfläche blass und der Romancier neigt zu abrupten Szenenwechseln ebenso wie dazu, seine Leser unvermittelt mit einer abstrakten Detailfülle dieser schönen, neuen Welt zu überfahren. Der Titel seines zuweilen sprunghaften und daher etwas schwer durchdringbaren Romans ist übrigens eine Anspielung auf „Der Sturm“ von Shakespeare; jenen berühmten Schriftsteller, den John immer wieder zitiert.

Wer sich für derartige Referenzen (auch in den Namen der handelnden Charaktere) oder das Zustandekommen bestimmter sprachlicher Formulierungen („bokanowskifizieren“) interessiert, dem werden in dieser illustrierten Hardcover-Ausgabe über 300 sehr lesenswerte Anmerkungen geboten. Apropos: 32 Illustrationen vom deutschen Comicbiographie-Künstler Reinhard Kleist (12 davon ganzseitig) lassen die Kollektivdiktatur in einem bedrückenden Drei-Farben-Konzept (blau, rot, schwarz) durchaus plastisch lebendig werden.

LUTZ GRANERT

Titel: SCHÖNE NEUE WELT
Autor: Aldous Huxley, Illustrationen von Reinhard Kleist

Verlag: S. Fischer
Seitenzahl: 352

Bildnachweis: S.Fischer Verlag GmbH

 

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