Montag, 22 August 2016 11:07

Bis(s) zum Ende der Menschheit

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Zombies sind nach wie vor stark in Mode. Und Zombie-Vampire? In DAYLIGHT'S END zieht ein einsamer Kämpfer gegen Horden geifernder Untoter mit Sonnenallergie in die entscheidende Schlacht. EuroVideo veröffentlicht den mit Johnny Strong und Lance Henriksen prominent besetzten Endzeit-Horror nun auf DVD, Blu-ray und VoD.

Der tiefblaue Himmel eines sonnigen Tages erstrahlt über der verdorrten Landschaft. Der trockene Asphalt, der sich von irgendwo durchs Niemandsland windet, kocht in der sengenden Mittagshitze. Ein Auto taucht am Horizont auf. Ob diese Symbiose aus rostigem PS-Boliden und selbstverschweißten Drahtgitterfenstern jemals eine Fahrt zur örtlichen TÜV-Stelle überlebt hätte, ist stark zu bezweifeln. In dieser Welt aber scheint es für seinen Fahrer kein sichereres Refugium zu geben.

An einer verlassenen Tankstelle kommt der Wagen zum Stehen. Sein Insasse, vermummt und bewaffnet, steigt aus und untersucht vorsichtig die Umgebung. Im Inneren des menschenleeren Gebäudes erweckt eine vergammelte Kühltruhe seine Aufmerksamkeit. Als daraus ein lautstarkes Poltern zu hören ist, verschließt der Fremde sie reflexartig, kettet sie an seinen Wagen und zerrt sie unter quietschenden Reifen hinaus ins Freie. Mit einem gezielten Schuss zerstört er das gerade angebrachte Schloss. Das zum Vorschein kommende Wesen verbrennt unter hysterischem Gekreische unter der gleißenden Nachmittagssonne.

So beginnt DAYLIGHT’S END, und diese atmosphärisch schon fast grandiose Exposition führt in ein altbekanntes Filmszenario ein, das im vorliegenden Vertreter allerdings – im Gegensatz zu einer Menge Schrott, der sich im Laufe der seit einigen Jahren hartnäckig haltenden Zombie- und Vampir-Welle angesammelt hat – spannend und kurzweilig aufbereitet wurde. Das erste gesprochene Wort nach gut zehn Minuten Filmlaufzeit ist „Scheiße“. Und das bringt die Situation, in der sich die Hauptfigur Rourke (Johnny Strong) und der Rest der Menschheit befinden, ziemlich genau auf den Punkt.

Denn einige Jahre zuvor fegte eine aggressive Seuche über den Erdball und verwandelte ihre Opfer in blutgierige Zombies. Die wenigen Überlebenden kämpfen mit jedem weiteren Tag ums nackte Überleben und darum, nicht gebissen und in eine der seelenlosen Kreaturen verwandelt zu werden. Der einzige und entscheidende Schwachpunkt der sabbernden und rasend schnellen Bestien ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht. Tagsüber hat man also seine Ruhe vor den „Zompiren“, dafür müssen sich Rechtschaffene mit plündernden und mordenden Banden herumplagen.
Mitten in einem menschenleeren Nest platzt der rastlos umherziehende Einzelgänger Rourke (Johnny Strong) in eine solche Auseinandersetzung und rettet dabei das Leben von Sam (Chelsea Edmundson), die mit ihren Weggefährten gerade auf Patrouille war und ihm daraufhin anbietet, Unterschlupf bei ihresgleichen zu suchen. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg in die Großstadt, wo sich ein wilder Haufen unter der Führung des misstrauischen Ex-Cops Frank (Lance Henriksen) in einem Gefängniskomplex eingerichtet hat und Nacht für Nacht sein gut gesichertes Fort vor den Angriffen der Vampir-Zombie-Aggressoren verteidigt. Doch das ist nur eine Zwischenstation, denn Sam berichtet von einem Flugzeug, das sie während ihrer Kundschafter-Tour gefunden hatten...

Mad Max meets Zombies

Wie schon erwähnt, geht es eingangs in DAYLIGHT’S END sehr wortkarg zu. Der maulfaule Antiheld Rourke in seinem rostig-röhrenden Wagen Marke Eigenbau lässt nicht nur aufgrund seiner fehlenden Konversationsstärke deutliche Parallelen zu Max Rockatansky, besser bekannt als Mad Max, zu. Vor allem zu Beginn besticht das ambitionierte B-Movie durch eine ungewöhnlich poetische Bildsprache mit atmosphärisch aufgeladenen Bildern, die sich in Aufbau und Farbgebung klar am aktuellen Vorbild "Mad Max: Fury Road" orientieren.

Auch auf inhaltlicher Ebene bedient sich DAYLIGHT’S END geschickt bei anderen Genrevorbildern und durchstreift dabei die ganze Filmgeschichte der Zombie-Vorgänger, wie beispielsweise dem Ur-Klassiker "Zombie", "The Walking Dead" oder "Resident Evil". Später im Gefängnis, in dem die Überlebenden ähnlich einem Fort Unterschlupf gegen die Invasoren von außerhalb suchen, erinnert er stellenweise sogar an John Carpenters Klassiker "Assault – Anschlag bei Nacht". Die Inspirationen für diesen Apokalypse-Western waren scheinbar vielfältiger Natur und sind zugegebenermaßen ziemlich geschickt miteinander verwoben.

Johnny Strong („The Fast & The Furious“), der sich für DAYLIGHT’S END für die Hauptrolle zur Verfügung stellte, schrieb und spielte auch den Score ein. Das Multitalent, das darüber hinaus auch noch in mehreren Kampfsportarten ausgebildet ist, ist also nicht nur vor der Kamera eine wahre One-Man-Show. Die Rolle des wortkargen Einzelgängers bringt er mit Physis und Mimik glaubhaft an den Zuschauer.
Obwohl kein Multi-Millionen-Dollar-Budget wie bei Hollywood-Flagschiffen des Genres wie "World War Z" zur Verfügung stand, ist Kaufman und Strong ein bemerkenswert inszenierter Zombie-Reißer gelungen. Die Action wirkt präzise und technisch sauber inszeniert. Die Shootouts und Hetzjagden in der klaustrophobischen Enge der Gefängnisflure sind rasant geschnitten, aber übersichtlich, denn auf allzu wackelige Bilder wurde glücklicherweise verzichtet.

Die löbliche Ausnahme


Der Action-Anteil ist das, was DAYLIGHT’S END ab seiner zweiten Hälfte hinsichtlich seiner Story- und Figurenentwicklung ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt. Zum Glück sorgt der sehr atmosphärische und stimmige Soundtrack von Hauptdarsteller Johnny Strong dafür, dass in puncto Atmosphäre – ganz besonders in ruhigeren Momenten – die Emotionen  punktgenau wirken. Auch hier könnte man exzellente Vorbilder erahnen, denn die Musik findet sich irgendwo zwischen den Endzeit-Schockern "28 Days Later" und "Book Of Eli" wieder. Die Symbiose trister Bilder zu einer deprimierenden und emotional aufwühlenden Tonspur funktioniert auch in DAYLIGHT’S END sagenhaft gut.

Kult-Nebendarsteller Lance Henriksen konnte bereits vor knapp 30 Jahren Erfahrung im Vampir-Schocker "Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis" von Kathryn Bigelow sammeln. Damals wie heute mimt er den charismatischen Anführer. Diesmal allerdings nicht als Blutsauger-Patriarch, sondern als misstrauische und knallharte Vaterfigur für den spärlichen Rest der menschlichen Rasse. Von seiner kühlen Leinwandpräsenz profitiert auch DAYLIGHT’S END. Witzige Anekdote am Rande: Einer von Franks engsten Vertrauten hört auf den Namen Bishop. Filmbegeisterte werden sofort an Henriksens wohl berühmteste Rolle des gleichnamigen Androiden in "Aliens" und "Alien³" denken müssen.

Unzählige Endzeit-Visionen versuchten in den letzten Jahren teilweise vergeblich, mit geringem, aber auch mit großem Budget, im hart umkämpften Blutsauger- und Untoten-Genre Fuß zu fassen. Hier ist einer der bemerkenswerteren Vertreter: DAYLIGHT’S END ist ein großer Lichtblick im Genre-Dunkel.

TORSTEN FELIX

Titel: DAYLIGHT’S END

Land/Jahr: USA 2016

Label: EuroVideo

FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 105 Min.

Verkaufsstart: veröffentlicht

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