Montag, 22 August 2016 11:05

Todesstrafe für Falschparker?

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Das Gesetz selbst in die Hand nehmen – Machtfantasie oder letztes Mittel des verzweifelten Bürgers? Steven Seagal widmet sich diesem Thema in seinem neuen Film CODE OF HONOR, den EuroVideo nun auf DVD, Blu-ray und VoD veröffentlicht.

In Zeiten von allgegenwärtigem Terror und gefühlter oder tatsächlich zunehmender Gewalt auf den Straßen fragt man sich manchmal, ob die Polizei überhaupt noch in der Lage ist, für Sicherheit zu sorgen. Rufe nach Selbstjustiz sind dabei nichts Neues. Auch filmisch ist Selbstjustiz ein gern gewähltes Motiv, führt sie den Zuschauer doch in eine moralische Zwickmühle. Persönlichkeiten wie „Max Payne“ oder der „Punisher“ sind wohl den meisten Cineasten bekannt. Gerade Frank Castle, der Punisher, fragt in seinen Comics des Öfteren nach dem Unterschied zwischen „Gerechtigkeit“ und „Bestrafung“. Zu dieser feinen Unterscheidung kommt es in Steven Seagals neuem Actionthriller CODE OF HONOR gar nicht erst.

Seagal mimt dabei Colonel Sikes – einen Kommandosoldaten auf Rachefeldzug. Warum? Eigentlich unerheblich, aber passiert ist Folgendes: Sikes‘ Familie geriet zufällig in eine Schießerei von Gangstern. Seine Frau starb sofort, sein Sohn kurz darauf an seinen Verletzungen. Für Sikes eindeutiges Indiz dafür, dass die Regierung unfähig ist, die Sicherheit in seiner Stadt zu garantieren, und Grund genug, sämtliche Bösewichte ebenda umzulegen. Umgesetzt wird das Ganze regelmäßig aus sicherer Entfernung mit einem Gewehr.

Gut für Seagal – denn ihm passt die Rolle des meist stummen Rächers wie angegossen. Zu Gesprächen kommt es lediglich mit William Porter (Craig Sheffer), einem ehemaligen Kameraden von Sikes, der mittlerweile augenscheinlich beim FBI arbeitet. Dieser ist Teil des Teams aus Ermittlern, das sich mit Sikes‘ Spur aus Leichen beschäftigt. Er kann die Ermittlungen so einigermaßen beeinflussen und immer die aktuellen Informationen abziehen. Bemerkenswert: trotz (oder gerade wegen) Sikes‘ Brutalität finden dessen Taten hohen Zuspruch in der Bevölkerung. Wohl auch weil er in Sachen Selbstjustiz nicht diskriminiert: egal ob Neonazis, Biker, mexikanische Drogenhändler oder Schwarze, Seagal ist immer vor Ort. Und jede Konfrontation bietet dabei äußerst solide Action und gut choreografierte Kampfszenen. Denn trotz seines Alters und seiner mittlerweile sehr stattlichen Erscheinung kann Seagal noch immer gut austeilen. Was nachvollziehbar ist, denn den siebten Dan in Aikido erreicht man nicht einfach so, und Seagal demonstriert seine Fähigkeiten äußerst gerne und eindrücklich.
Seagal ist im echten Leben außerdem ehrenamtlicher Hilfspolizist in Louisiana, sein Bezug zum Gesetz ist damit ausgeprägter als bei manch anderem Hollywood-Schauspieler. Umso bemerkenswerter, dass er (der gleichzeitig Produzent des Films ist), hier einen Abstecher in den rechtsfreien Raum macht. Gleichwohl werden seine Eskapaden nicht unkommentiert gelassen. Wer entscheidet, welcher Kriminelle umgelegt werden darf und welcher nicht? Sikes allein? Wann ist Schluss? Was passiert, wenn es keine Verbrecher mehr gibt? Gibt es dann die Todesstrafe für Falschparker? Fragen, die tatsächlich (mehr oder weniger zu recht) gestellt werden. Und so bietet sich dem Zuschauer trotz aller Action ein Film, der – und das ist selten im Genre – zum Nachdenken anregt. Es ist also für fast jeden etwas dabei. Fans von Seagal kommen garantiert auf ihre Kosten, und Fans von deftiger Action werden ebenfalls bedient.

Insgesamt ein optimaler Film für einen Abend mit Freunden und Bier, die Seagal Vollgas geben sehen wollen. Und sollten seine Fans nach CODE OF HONOR noch nach Nachschlag gieren: Seagal hat noch einen weiteren neuen Film in petto: unterwegs als Scharfschütze in Afghanistan lässt es Seagal in „Sniper: Special Ops“ (erscheint ab 8. September bei EuroVideo im Heimkino) weiter krachen.

JAN SIEBERT

Titel: CODE OF HONOR
Land/Jahr: USA 2015
Label: EuroVideo
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 106 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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