Donnerstag, 24 März 2016 19:58

TV-Kritik: Zwei Brüder

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Aufwändig ausgestattet, aber wegen Reißbrettfiguren und Holzhammerdramaturgie nur Mittelmaß: Das „RTL Eventmovie“ DUELL DER BRÜDER – DIE GESCHICHTE VON ADIDAS UND PUMA feiert am 25. März, 20.15 Uhr auf RTL seine TV-Premiere.

 

Leicht und biegsam, aber robust muss er sein: Als Adi Dassner (Ken Duken) im Jahr 1924 seine selbst hergestellten Sportschuhe in der ländlichen Idylle vom fränkischen Herzogenaurach testet, ist die Welt noch in Ordnung. Von den Konkurrenten belächelt, die nach wie vor auf schwere Fußballstiefel setzen, bauen Adi als Produzent und sein Bruder Rudi (Torben Liebrecht) als Leiter des Vertriebs langsam aber stetig ein kleines Imperium auf. Ihnen gelingt es, immer mehr Sportvereine von den Vorzügen ihrer Schuhe zu überzeugen. Doch mit Hitlers Machtergreifung häufen sich die Differenzen zwischen den Brüdern: Während der verträumte Tüftler Adi weiterhin ausschließlich Sportschuhe produzieren und möglichst viele Vertraute vor dem Marschbefehl bewahren will, biedert sich der für seine zahlreichen Frauengeschichten berüchtigte Rudi dem Regime an.

Das von RTL eigenproduzierte Familiendrama DUELL DER BRÜDER – DIE GESCHICHT VON ADIDAS UND PUMA kleckert nicht, sondern klotzt. Die Ausstattung mit der Nacharbeitung historischer Schuhmodelle und Original-Maschinen zur Schuhherstellung zur originalgetreuen Nachstellung der Fabrikarbeit ist ebenso aufwändig wie das Zeitkolorit, dessen Detailtreue bis zum letzten Knopf von SA-Uniformen reicht. Die Ambitionen von Regisseur Oliver Dommenget („Marco W.“, 2011), basierend auf wahren Begebenheiten ein großes TV-Epos über die zwei erfolgreichsten deutschen Sportartikelhersteller zu schaffen, sind unverkennbar, scheitern jedoch an den eigenen Ansprüchen.

Auch über eine stattliche Laufzeit von insgesamt 113 Minuten gelingt es dem Film nicht, zu einer erzählerischen Einheit zu finden. Ähnlich einem Parforceritt und ohne sich für konkrete Jahreszahlen zu interessieren, hetzt Dommenget durch die drei Dekaden nach der Gründung der „Gebrüder Dassner Schuhfabrik“. Dabei bleibt viel liegen: Der aufstrebende Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg und die entbehrungsreiche Nachkriegszeit werden degradiert zu einer imposanten Kulisse vor dem sich der eskalierende Bruder-Konflikt mit seinen sich wiederholenden Vorwürfen entlädt. Leider wirkt der nicht enden wollende Streit in seiner Zuspitzung arg plump, bemüht zurechtkonstruiert und wird garniert von einem aufgesetzt wirkenden Zickenkrieg zwischen den beiden Ehefrauen der Brüder.

Ken Duken („Frau Müller muss weg!“, 2015) gibt dabei durchaus smart den ebenso aufrichtigen wie aufbrausenden Perfektionisten, der jedoch leider genauso unsympathisch daherkommt wie der unterkühlt agierende Torben Liebrecht („Wir waren Könige“, 2014) als sein ungleicher Bruder mit Unternehmensgeist. Beide taugen nicht als Identifikationsfiguren in einem als „Eventmovie“ angepriesenem Familiendrama, das in den Charakterzeichnungen grobschlächtig bleibt und in seinen bleiernen Dialogen jegliche Leichtfüßigkeit vermissen lässt.

LUTZ GRANERT

 

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